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ENERGIEMANAGER · KAPITEL-START

Geografie und wirtschaftliche Bildung · Sek I

Strom rund um die Uhr

Du drückst den Licht-Schalter. Das Licht geht an.
Auch mitten in der Nacht. Wie geht das?

Darum geht es in diesem Heft:
Strom kann man fast nicht aufheben.
Man muss ihn genau dann machen, wenn man ihn braucht.
Du lernst: Woher kommt unser Strom?
Du lernst: Was macht das Wetter mit dem Strom?
Du lernst: Wie speichert man Strom mit Wasser und einem Berg?
Und du lernst: Was passiert bei einem Strom-Ausfall?
🎮 So arbeitest du mit der Simulation:
Du steuerst ein Pump-Speicher-Kraftwerk.
Es hat zwei Wasser-Becken: eines oben am Berg, eines unten im Tal.
Ein Tag hat 8 Zeit-Blöcke.
Für jeden Block stellst du einen Schiebe-Regler ein:
Pumpen, aus oder Turbine.
Pumpen hebt Wasser nach oben. Das kostet Strom.
Die Turbine lässt Wasser nach unten. Das macht Strom.
Dann drückst du „Tag starten".
Ziel: In jedem Block gibt es genug Strom. Nie zu wenig.

Du drückst auf den Schalter – und das Licht geht an. Immer. Auch um drei Uhr früh. Wer sorgt eigentlich dafür, dass in jeder Sekunde genau so viel Strom erzeugt wird, wie ganz Europa gerade verbraucht?

Darum geht es in diesem Kapitel: Strom lässt sich – anders als Holz oder Öl – kaum lagern. Du lernst, warum im Erzeugung und Verbrauch in jeder Sekunde übereinstimmen müssen, woher der Strom in Österreich, Deutschland und der Schweiz kommt, wie das Wetter über und bestimmt – und warum in den Alpen die „grünen Batterien" Europas sind.
AT · GW 2.1 (Energieträger) AT · GW 3.6 & 3.13 (Wasserkraft) AT · GW 4.1 & 4.10 AT · Physik: Energie & Wirkungsgrad DE · Erdkunde: Energiewende & Ressourcen CH · LP21 NT.4 & RZG 1.4
🎮 So arbeitest du mit der Simulation: Du steuerst ein Pumpspeicherkraftwerk mit zwei Wasserbecken durch 18 Tage in 6 Sets: Frühling, Sommer, Herbst, Winter, Industrie und Wochenende. Jeder Tag hat 8 Blöcke zu je 3 Stunden. Pro Block stellst du einen Schieberegler auf eine von fünf Stufen: 2 Pumpen · 1 Pumpe · aus · 1 Turbine · 2 Turbinen. Der Graph zeigt dir vorher, wie viel Strom gebraucht wird (rot) und wie viel Solar und Wind liefern (gelb). Dann heißt es „Tag starten ▶" – und der Netzfrequenz-Tacho verrät, ob dein Plan aufgeht. Ziel: kein einziger Block mit Stromlücke. Achtung: Der Speicherstand wandert mit in den nächsten Tag!
💡 Verlaufsvorschlag (Doppelstunde): (1) Einstieg 10′ – Leitfrage + Blitzumfrage: „Was zu Hause läuft jetzt gerade mit Strom?" (Kühlschrank, Router … – Grundlast wird sichtbar). (2) Erarbeitung I 15′ – Seiten 1–2 (Gleichgewicht im Netz, Strommix D-A-CH). (3) Simulation 25′ – Set „Frühling", Auftrag: alle drei Tage ohne Stromlücke; das Onboarding (❔-Knopf) erklärt die Anlage. (4) Auswertung 15′ – Frequenzverlauf-Chart vergleichen: Wer hatte das ruhigste Netz? Warum kostet Pumpen mehr, als Turbinieren zurückbringt? (5) Vertiefung 25′ – Seiten 3–5 (Wetter, Pumpspeicher, Blackout), danach Set „Winter" oder „Industrie" als Differenzierung.
Hinweis: Die Sounds der Simulation sind standardmäßig stumm (klassenraumtauglich). Für den inklusiven Unterricht gibt es dieses Kapitel in Leichter Sprache.
SEITE 1 · DAS GLEICHGEWICHT

1 · Strom kann man fast nicht aufheben

Ein Apfel liegt im Keller.
Er wartet dort, bis du ihn isst.
Strom kann das nicht.
Strom muss man genau dann machen, wenn man ihn braucht.

Alle Kraftwerke und alle Geräte hängen an einem großen Netz.
Das Netz hat einen Takt: 50-mal in der Sekunde.
Man sagt: 50 Hertz.
Gibt es zu wenig Strom, wird der Takt langsamer.
Gibt es zu viel Strom, wird der Takt schneller.
Beides ist gefährlich für das Netz.

Merke:
Im Strom-Netz muss immer gelten:
Erzeugter Strom = verbrauchter Strom.
In jeder Sekunde!
🎮 In der Simulation:
Rechts oben ist ein Tacho.
Er zeigt den Takt vom Netz: 50 Hertz.
Ist dein Plan gut, bleibt der Zeiger in der Mitte.
Fehlt Strom, fällt der Zeiger nach links. Das ist schlecht.
✏️ Aufgabe:
  1. Schau dich im Klassen-Zimmer um.
    Welche Geräte brauchen gerade Strom?
    Nenne drei.

1 · Erzeugung = Verbrauch: Das Gleichgewicht im Netz

Mehl, Holz, Heizöl – fast alles lässt sich auf Vorrat lagern. Strom nicht: Was aus der Steckdose kommt, wurde im selben Augenblick irgendwo erzeugt. Deshalb gilt im die eiserne Regel: Erzeugung und Verbrauch müssen in jeder Sekunde genau übereinstimmen.

Ob das gelingt, zeigt die : Im europäischen schwingt der Wechselstrom 50-mal pro Sekunde – 50 . Wird mehr verbraucht als erzeugt, sinkt die Frequenz; wird zu viel erzeugt, steigt sie. Schon Abweichungen von wenigen Zehntel-Hertz sind kritisch. Am 8. Jänner 2021 riss eine Störung in Kroatien das europäische Netz in zwei Teile – die Frequenz fiel auf 49,74 Hz, und nur automatische Schutzmaßnahmen verhinderten Schlimmeres. [4]

Dazu kommt: Der Verbrauch schwankt im Tagesrhythmus – das . Nachts ist er niedrig, am Morgen steigt er (Duschen, Kochen, Betriebe starten), und am Abend kommt die größte Spitze, wenn Familien heimkommen, kochen und Bildschirme einschalten.

📊 Echte Zahlen: Sollwert Netzfrequenz: 50,00 Hz · Netzauftrennung 8. Jänner 2021: Abfall auf 49,74 Hz [4] · Durchschnittlicher Stromverbrauch eines Haushalts in Österreich: rund 3.500 kWh pro Jahr [10]
Merke: Strom ist die einzige „Ware", die im Moment des Verbrauchs erzeugt werden muss. Die Netzfrequenz (50 Hz) ist der Pulsschlag des Netzes – sie zeigt sofort, ob Erzeugung und Verbrauch im Gleichgewicht sind.
🎮 In der Simulation: Rechts neben dem Kraftwerks-Querschnitt sitzt der Netzfrequenz-Tacho: Sollwert 50,00 Hz, Toleranz ±0,2 Hz. Sobald du „Tag starten" drückst, läuft dein Plan Block für Block ab – ist ein Block ausgeglichen (Lücke oder Überschuss kleiner als 0,5 ), bleibt der Zeiger im grünen Bereich. Der 📈 Frequenzverlauf darunter zeichnet alle 8 Blöcke mit: An ihm siehst du hinterher genau, in welchem Block dein Netz gewackelt hat.
💡 Didaktischer Hinweis: Häufigstes Fehlkonzept: „Das Netz speichert den Strom wie ein Tank." Lassen Sie die Analogie aktiv widerlegen (Wasserleitung vs. Regentonne). Der Tacho der Simulation ist bewusst prominent platziert – fragen Sie nach Block 8: „Wo stand der Zeiger, und warum?" Stolperstein: Manche Schüler:innen deuten den grünen Bereich als „viel Strom" statt als „Gleichgewicht".
SEITE 2 · STROMMIX

2 · Woher kommt unser Strom?

Strom kommt aus Kraft-Werken.
Es gibt viele Arten von Kraft-Werken.
In Österreich kommt der meiste Strom aus Wasser-Kraft.
Von 100 Teilen Strom kommen ungefähr 60 Teile aus Wasser-Kraft.
Dazu kommen Sonne, Wind und Bio-Masse.

In Deutschland ist der Wind am wichtigsten.
In der Schweiz ist es wie in Österreich: das Wasser.
Die Mischung nennt man: den Strom-Mix.

📊 Echte Zahlen:
Österreich: Von 100 Teilen Strom sind ungefähr 87 Teile erneuerbar.
Deutschland: ungefähr 59 Teile.
Schweiz: Das Wasser liefert ungefähr 60 Teile.
🎮 In der Simulation:
Im Diagramm siehst du zwei Linien.
Die rote Linie zeigt: So viel Strom brauchen die Menschen.
Die gelbe Linie zeigt: So viel Strom liefern Sonne und Wind.
Dein Kraftwerk gleicht den Unterschied aus.
✏️ Aufgabe:
  1. Von 100 Teilen Strom in Österreich kommen 60 Teile aus Wasser-Kraft.
    Wie viele Teile kommen NICHT aus Wasser-Kraft?

2 · Woher kommt unser Strom? Der Strommix in D-A-CH

Welche Kraftwerke ein Land nutzt, hängt stark von seiner Geografie ab – die Mischung heißt . Österreich ist ein Gebirgsland mit wasserreichen Flüssen: Rund 60 % des Stroms kommen aus , dazu etwa 20 % aus Wind- und Sonnenkraft. Insgesamt waren 2024 rund 87 % der Erzeugung – ein europäischer Spitzenwert. [1]

Deutschland hat weniger Gebirge, dafür windreiche Küsten: Dort ist die mit 31,5 % die wichtigste Stromquelle, gefolgt von Kohle und ; insgesamt stammten 2024 59,4 % aus erneuerbaren Quellen. [2] Die Schweiz ähnelt Österreich: Etwa 60 % Wasserkraft, dazu aber gut 28 % aus . [3]

Der Strommix ist also Erdkunde pur: Berge und Niederschlag machen Wasserkraft möglich, flaches windiges Land begünstigt Windräder, sonnenreiche Dächer die Photovoltaik.

📊 Strommix 2024 im Vergleich: AT: ~60 % Wasserkraft, ~20 % Wind + Sonne, gesamt ~87 % erneuerbar [1] · DE: 59,4 % erneuerbar, wichtigste Quelle Windkraft (31,5 %) [2] · CH: ~60 % Wasserkraft, ~28,6 % Kernkraft [3]
🎮 In der Simulation: Der Balkengraph über deinem Plan zeigt für jeden 3-Stunden-Block zwei Werte: Strombedarf (rot) und Solar/Wind verfügbar (gelb). Dein Pumpspeicher ist das Zünglein an der Waage: Liefert das Wetter mehr, als gebraucht wird, pumpst du den Überschuss als Wasser nach oben – fehlt Strom, lässt du ihn durch die wieder herunter ().
✏️ Aufgaben:
  1. ANenne die wichtigste Stromquelle Österreichs, Deutschlands und der Schweiz. Erkläre mit der Landkarte, warum sie sich unterscheiden.
  2. BÖsterreich erzeugte 2024 rund 82 TWh Strom, davon ~60 % aus Wasserkraft. Berechne: 82 · 0,6 = ? TWh. Vergleiche mit dem Jahresverbrauch von rund 64,5 TWh.
  3. C„Ein Land kann sich seinen Strommix nicht aussuchen." Stimmt das? Begründe mit mindestens zwei Standortfaktoren (Relief, Klima, Küste, Fläche).
💡 Erwartungshorizont B: 82 · 0,6 ≈ 49 TWh Wasserkraftstrom – das allein deckt rechnerisch gut drei Viertel des Jahresverbrauchs (64,5 TWh). 2024 war Österreich erstmals seit Jahren Netto-Stromexporteur. Stolperstein: Schüler:innen verwechseln oft „Anteil an der Erzeugung" mit „Anteil am Verbrauch" (95 % des Verbrauchs wurden 2024 bilanziell erneuerbar gedeckt, aber nur 87 % der Erzeugung waren erneuerbar). Für Referate: E-Control Marktberichte, Quelle [1].
SEITE 3 · WETTER & STROM

3 · Das Wetter macht den Strom

Solar-Anlagen brauchen Sonne.
Wind-Räder brauchen Wind.
Das Wetter bestimmt also: Wie viel Strom gibt es heute?

Zu Mittag scheint die Sonne am stärksten.
Dann gibt es viel Solar-Strom.
Aber am Abend brauchen die Menschen den meisten Strom.
Dann ist die Sonne schon weg.
Manchmal gibt es tagelang keine Sonne und keinen Wind.
Das nennt man: Dunkel-Flaute.
Dann sind Speicher besonders wichtig.

📊 Echte Zahlen:
Im November 2024 gab es in Deutschland eine Dunkel-Flaute.
Sonne und Wind lieferten am Abend fast gar nichts.
Der Strom an der Börse wurde über 10-mal so teuer wie sonst.
🎮 In der Simulation:
Jeder Tag hat ein eigenes Wetter.
Zum Beispiel: sonnig, bewölkt, Sturm, Hitze-Welle oder Frost-Nacht.
Das Wetter bestimmt die gelbe Linie.
Schau sie dir vor dem Planen genau an!
✏️ Aufgabe:
  1. Wähle in der Simulation den Tag „Sonniger Frühlingstag".
    Wann liefert die Sonne am meisten Strom?
    Wann brauchen die Menschen am meisten Strom?

3 · Wetter macht Strom: Mittagsspitze, Abendlücke, Dunkelflaute

Sonnen- und Windstrom sind sauber – aber sie richten sich nach dem Wetter, nicht nach uns. liefert ihre Spitze zu Mittag, der Verbrauch hat seine Spitze aber am Abend. Diese Lücke zwischen Bedarf und Wetterstrom – die – müssen andere Kraftwerke und Speicher füllen.

Richtig ernst wird es bei einer : tagelang Hochnebel, kaum Wind. Anfang November 2024 lieferten Wind und Sonne in Deutschland an einem Abend zeitweise nur noch rund 0,15 % des Strombedarfs – der Preis an der , wo Strom für jede Stunde des nächsten Tages gehandelt wird, schoss von durchschnittlich 79 € auf über 800 € pro Megawattstunde. [5]

Auch die Jahreszeiten mischen mit: Im Winter ist der Verbrauch am höchsten (Heizen, Licht), die Sonnenausbeute aber am niedrigsten. Je mehr ein Land auf Wetterstrom setzt, desto wichtiger werden – und flexible Kraftwerke, die einspringen können.

📊 Echte Zahlen: Dunkelflaute 6. November 2024 (DE): Wind + Sonne zeitweise nur ~0,15 % des Bedarfs · Börsenstrompreis über 800 €/MWh (Jahresmittel 2024: ~79 €/MWh) [5]
Merke: Erneuerbare liefern nicht immer dann, wenn der Strom gebraucht wird. Speicher verschieben die Energie von der Mittagsspitze in den Abend – und helfen über Dunkelflauten hinweg.
🎮 In der Simulation: Jeder der 18 Tage hat sein eigenes Wetter – vom Sonnigen Frühlingstag über Hitzewelle (Klimaanlagen!), Sommergewitter und Föhnstunden bis zu Frostnacht und Schneesturm. Das Wetter formt die gelbe Angebots-Kurve: Beim Sturmtag liefert der Wind sogar nachts – der Tagesgang steht Kopf. Lies vor dem Planen die Tagesbeschreibung: Sie verrät dir die Strategie.
💡 Didaktischer Hinweis: Der Vergleich „Tag 1 sonnig vs. Tag 2 bewölkt" im Frühlings-Set ist die ergiebigste Gegenüberstellung: gleicher Bedarf, völlig anderes Angebot → andere Reglerstellungen. Stolperstein: Viele übernehmen ihren Plan vom Vortag unverändert – genau daran lässt sich zeigen, warum Netzbetreiber täglich neue Wetterprognosen brauchen. Vertiefung für Schnelle: Set „Industrie", Tag „Werks-Stillstand" (Überschuss-Management statt Mangel).
SEITE 4 · PUMPSPEICHER

4 · Der Pumpspeicher: Strom wird zu Wasser

Wie speichert man Strom?
Ein Trick: Man macht aus Strom Höhe.
Mit dem übrigen Strom pumpt man Wasser auf den Berg.
Dort wartet das Wasser in einem See.
Braucht man wieder Strom, lässt man das Wasser hinunter.
Unten treibt es eine Turbine an.
Die Turbine macht wieder Strom.

Ein Teil der Energie geht dabei verloren.
Du gibst 100 Teile Strom hinein.
Ungefähr 75 bis 80 Teile bekommst du zurück.
Das ist trotzdem sehr gut.

📊 Echte Zahlen:
Das Kops-Werk 2 in Vorarlberg ist sehr stark: 525 Megawatt.
Am Lüner-See soll ein noch stärkeres Kraftwerk entstehen:
1.000 Megawatt. Es wird ganz im Berg gebaut.
🎮 In der Simulation:
Du siehst das Kraftwerk im Querschnitt.
Oben ist das Ober-Becken. Unten ist das Unter-Becken.
Beim Pumpen fließt das Wasser nach oben.
Bei der Turbine fließt es nach unten.
Wichtig: Das Wasser von heute bleibt für morgen im Becken!
✏️ Aufgabe:
  1. Du pumpst mit 100 Teilen Strom Wasser nach oben.
    Wie viele Teile Strom bekommst du ungefähr zurück?

4 · Der Pumpspeicher: Die grüne Batterie in den Bergen

Die größte „Batterie" der Alpen besteht aus Wasser und Höhenunterschied. Ein hat zwei Becken: eines im Tal, eines hunderte Meter höher am Berg. Gibt es Stromüberschuss (etwa zur Solar-Mittagsspitze), pumpt es Wasser nach oben – die Energie steckt jetzt als im Bergsee. Wird Strom gebraucht, rauscht das Wasser durch Druckrohre zurück ins Tal und treibt an. Ein Pumpspeicher ist in weniger als zwei Minuten auf voller Leistung – deshalb ist er die wichtigste im Netz.

Gratis ist das nicht: Der über den ganzen Kreislauf liegt bei 75 bis 80 % – von 100 kWh, die du zum Pumpen einsetzt, kommen also rund 80 zurück. [9]

Vorarlberg ist dabei Weltklasse: Das Kopswerk II im Montafon leistet 525 [6], das unterirdische Obervermuntwerk II weitere 360 MW [7]. Und am Lünersee plant die illwerke vkw das Lünerseewerk II: rund 1.000 MW, etwa 1.300 m Fallhöhe, 2,65 Mrd. € Investition – fast vollständig im Berginneren. [8]

📊 Echte Zahlen: Kopswerk II: 525 MW Turbinenleistung [6] · Obervermuntwerk II: 360 MW [7] · Lünerseewerk II (geplant): ~1.000 MW, ~1.300 m Fallhöhe, 2,65 Mrd. € [8] · Wirkungsgrad Pumpspeicher: 75–80 % [9]
🎮 In der Simulation: Der Querschnitt zeigt Oberbecken und Unterbecken (je bis 50 GWh) samt Maschinenhaus – beim Ablauf siehst du das Wasser durch die Druckrohre fließen. Der Wirkungsgrad ist eingebaut: 1 Pumpe hebt pro Block 4 GWh Wasser und verbraucht dafür 4 : 0,75 ≈ 5,3 GWh Strom; 1 Turbine lässt 6 GWh Wasser ab und liefert 6 · 0,85 ≈ 5,1 GWh. Und wie beim echten Kraftwerk gilt: Der Beckenstand von heute Abend ist dein Startkapital für morgen – wer im Sommer-Set am Tag 1 nicht vorpumpt, steht beim Gewitter am Tag 2 ohne Reserve da.
✏️ Aufgaben:
  1. AErkläre mit eigenen Worten und einer Skizze, wie ein Pumpspeicherkraftwerk Strom „speichert".
  2. BEin Pumpspeicher nimmt 100 GWh Strom zum Pumpen auf und liefert später 78 GWh zurück. Berechne den Wirkungsgrad: 78 : 100 = ? Gib das Ergebnis in Prozent an.
  3. C„Ein Speicher, der 20 % verliert, lohnt sich nicht." Nimm Stellung: Wann lohnt sich das Speichern trotzdem? (Denke an die Preise aus Seite 3.)
💡 Erwartungshorizont: B: 78 : 100 = 0,78 = 78 %. C: Kernargument ist die Preis- bzw. Wertdifferenz: Gespeichert wird Strom, der im Überschuss fast nichts wert ist (Mittag), geliefert wird er zur teuren Abendspitze – 80 % von „wertvoll" schlägt 100 % von „wertlos". Zusätzlich: Ohne Speicher müssten Überschüsse abgeregelt werden. Lokalbezug nutzen: Viele Kinder kennen den Lünersee vom Wandern – die Doppelnutzung (Tourismus + Energie) verbindet dieses Kapitel mit dem Kapitel Tourismustal.
SEITE 5 · GRUNDLAST & BLACKOUT

5 · Wenn der Strom ausfällt

Manche Geräte laufen immer.
Zum Beispiel: Kühl-Schrank, Krankenhaus, Ampeln.
Dieser Strom-Bedarf heißt: Grund-Last.
Am Abend brauchen alle viel Strom auf einmal.
Das heißt: Spitzen-Last.

Fällt der Strom in einem großen Gebiet lange aus,
nennt man das: Blackout.
Dann geht fast nichts mehr:
kein Licht, keine Heizung, kein Handy-Netz, keine Kassa im Geschäft.
Darum soll jede Familie einen Vorrat haben:
Wasser, haltbares Essen, Kerzen, Taschen-Lampe, Radio mit Batterien.

Merke:
Strom sparen hilft doppelt:
Es kostet weniger Geld.
Und das Netz wird weniger belastet.
🎮 In der Simulation:
Fehlt in einem Block Strom, warnt dich die Anzeige.
Der Zeiger fällt in den roten Bereich.
Plane so, dass das nie passiert!
Zwischen den Tagen zeigt dir eine Karte: „Wusstest du?"
Dort lernst du echte Strom-Fakten.
✏️ Aufgabe:
  1. Der Strom fällt für einen Tag aus.
    Was brauchst du zu Hause?
    Nenne drei Dinge für deinen Not-Vorrat.

5 · Grundlast, Spitzenlast, Blackout: Wer springt wann ein?

Ein Teil des Strombedarfs ist rund um die Uhr da: Kühlhäuser, Krankenhäuser, Server, Industrieöfen – die . Darüber wellt sich der Tagesgang bis zur am Abend. Für jede Ebene gibt es Spezialisten: – sie nutzen die stetige Strömung eines Flusses und laufen Tag und Nacht durch – tragen die Grundlast, schnelle Pumpspeicher- und Gaskraftwerke fangen die Spitzen und Prognosefehler ab. Koordiniert wird das Ganze vom : In Österreich überwacht die Austrian Power Grid (APG) das Übertragungsnetz rund um die Uhr.

Reicht das nicht, greift der Notfallplan: Bei fallender Frequenz werden zuerst Reserven aktiviert, dann ganze Regionen gezielt abgeschaltet – der . Er ist die letzte Bremse vor dem , dem großflächigen, tagelangen Stromausfall. Österreich bereitet sich ernsthaft darauf vor: Bundesheer und Zivilschutz empfehlen jedem Haushalt einen Vorrat – Trinkwasser (etwa 2 Liter pro Person und Tag), haltbare Lebensmittel und Medikamente für rund zwei Wochen, dazu Taschenlampe, Kerzen, Batterieradio und etwas Bargeld. [11]

Und du? Wer Strom spart – Standby ausschalten, effiziente Geräte, Wäsche zur Mittagszeit statt zur Abendspitze –, entlastet nicht nur die eigene Stromrechnung, sondern auch das Netz. Genau dann Strom zu verbrauchen, wenn viel da ist, wird in Zukunft immer wichtiger.

📊 Echte Zahlen: Empfehlung Bundesheer/Zivilschutz: Trinkwasser ~2 l pro Person und Tag, Lebensmittel- und Medikamentenvorrat für ca. 2 Wochen [11] · Netzauftrennung 2021: Stabilisierung nach rund 1 Stunde dank Reserven und Lastabwurf-Plänen [4]
Merke: Grundlast = ständiger Sockelbedarf, Spitzenlast = kurze Höchstwerte. Ein Blackout ist unwahrscheinlich, aber möglich – Vorsorge ist Aufgabe von Netzbetreibern und Haushalten.
🎮 In der Simulation: Bleibt in einem Block eine Stromlücke, sackt die Frequenz ab und das Feedback wird rot – die Bilanz am Tagesende zählt jede Lücke und jeden Überschuss in GWh zusammen. Für ein Set ganz ohne Stromlücke gibt es die Auszeichnung 🔌 „Stabiles Netz", für 24 von 24 ausgeglichenen Blöcken ⭐ „Perfektes Set". Zwischen den Tagen erscheinen „Wusstest du?"-Karten mit echten Fakten – vom Kopswerk II bis zu den magischen 50 Hz.
✏️ Abschluss-Aufgaben:
  1. BOrdne zu: Kühlschrank, E-Herd um 18 Uhr, Krankenhaus, Föhn am Morgen – Grundlast oder Spitzenlast? Begründe kurz.
  2. BErstelle eine Blackout-Checkliste für deine Familie mit mindestens sechs Dingen. Vergleiche sie mit der Empfehlung des Zivilschutzes.
  3. CSchreibe als Energiemanager:in einen kurzen Bericht (5 Sätze) an die Gemeinde: Warum braucht euer Netz Speicher, obwohl genug Kraftwerke da sind? Verwende die Begriffe Spitzenlast, Dunkelflaute und Regelreserve.
💡 Differenzierung & Auswertung: Leistungsstarke Gruppen schaffen das Set „Industrie" (drei Bedarfsspitzen am Tag „Schichtwechsel") oder jagen das Achievement „Perfektes Set". Unterstützung: Onboarding (❔) erneut zeigen lassen – es erklärt Becken, Regler und Frequenz in vier Bildern. Im Abschluss-Overlay jedes Sets stehen Sterne und Blockbilanz – gut vergleichbar für eine kurze Auswertungsrunde. Stolperstein: Bei Stromlücke stellen manche reflexartig auf „Pumpe" (klingt nach „mehr Strom") – dabei verbraucht Pumpen Strom und vergrößert die Lücke. Diese Verwechslung explizit ansprechen. Für den inklusiven Unterricht: Leichte-Sprache-Version dieses Kapitels – gleiche Bilder, gleiche Kernaussagen, reduzierte Aufgaben.
QUELLEN

Quellen & zum Weiterlesen

Alle Zahlen in diesem Heft sind echt.
Sie kommen von Ämtern, Netz-Betreibern und Kraftwerks-Firmen.
Hier stehen die Quellen:

[1] E-Control: Marktbericht / Pressemappe „Strommix 2024" (April 2025) — e-control.at · ORF: Rekord an Abdeckung durch Erneuerbare — orf.at
[2] Statistisches Bundesamt: Stromerzeugung 2024 – 59,4 % aus erneuerbaren Energieträgern — destatis.de
[3] Bundesamt für Energie (CH): Schweizer Elektrizitätsbilanz 2024 — energeiaplus.com
[4] Austrian Power Grid: Frequenzabfall im europäischen Stromnetz am 8.1.2021 — apg.at
[5] Bundesnetzagentur: Untersuchung zu Strompreisspitzen während Dunkelflauten 2024 — bundesnetzagentur.de · ZDF: Dunkelflaute lässt Strompreise explodieren — zdf.de
[6] illwerke vkw: Kopswerk II — illwerkevkw.at
[7] illwerke vkw: Obervermuntwerk II — illwerkevkw.at
[8] illwerke vkw: Projekt Lünerseewerk II — luenerseewerk2.at · ORF Vorarlberg: Illwerke planen größtes Wasserkraftwerk Österreichs — vorarlberg.orf.at
[9] Verivox: Pumpspeicherkraftwerk – Funktionsweise und Wirkungsgrad — verivox.de
[10] Stromliste (Datenbasis Statistik Austria): Durchschnittlicher Stromverbrauch im Haushalt — stromliste.at · Statistik Austria: Energieeinsatz der Haushalte — statistik.at
[11] Bundesheer: „Blackout und dann?" – Ratgeber für die Eigenvorsorge — bmlv.gv.at · Zivilschutz Österreich: Ratgeber Blackout — zivilschutz.at