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TOURISMUSREGION · KAPITEL-START

Geografie und wirtschaftliche Bildung · Sek I

🗺️ Besucherströme lenken

Warum sind an manchen Orten so viele Menschen?
Und wie führt man die Gäste dorthin, wo Platz ist?

Darum geht es in diesem Heft:
Gäste bewegen sich auf Wegen durch eine Region.
Das nennt man: Besucher-Ströme.
Du lernst: Wo baut man ein Gast-Haus am besten? Am Weg!
Du lernst: Welche Gäste kommen zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Bus?
Du lernst: Wie verdient eine Region Geld mit ihren Gästen?
Und du lernst: Wie schützt man die Natur vor zu vielen Autos?
🎮 So arbeitest du mit der Simulation:
Deine Region hat Wege.
Auf den Wegen kommen die Gäste. Es gibt 8 Gäste-Wellen.
Zwischen den Wellen ist Bau-Pause. Dann baust du in Ruhe.
Baue deine Häuser nah an den Weg.
Nur Gäste in der Nähe nutzen sie.
Am Ende zeigt dir der Bericht: War deine Region gut?

Warum drängen sich an manchen Orten die Gäste, während andere leer bleiben – und wie lenkt eine Region ihre Besucherströme so, dass Gäste, Einheimische und Natur gewinnen?

Darum geht es in diesem Kapitel: Gäste bewegen sich nicht zufällig durch eine Region – sie folgen Wegen, Straßen und Attraktionen. Du lernst, wie funktioniert, warum der am Weg über Erfolg und Misserfolg entscheidet, welche Zielgruppen wie anreisen (zu Fuß, Rad, Bus, Auto), wie entlang einer Route entsteht – und wie eine Region den Zielkonflikt zwischen Verkehr, Wirtschaft und Umwelt löst.
AT · GW 3.5–3.8 AT · GW 3.13 & 3.17 AT · Verkehrs- & Mobilitätsbildung DE · NRW: Tourismus & Raum DE · BY: Alpen (Jg. 7) CH · RZG 2.5 & 3.1
🎮 So arbeitest du mit der Simulation: Du entwickelst eine Ausflugsregion über 8 Gästewellen und vier Jahreszeiten. Zuerst wählst du eine von fünf Wegkarten – von der Talschleife bis zur Passstraße. Die Gäste ziehen als Gruppen sichtbar über die Wege; deine Gebäude wirken nur auf Gäste in Reichweite. Zwischen den Wellen baust du in der Baupause, „Nächste Welle rufen" bringt einen Bonus. Du startest mit 500 € Gemeindebudget. Am Ende zählt vierfach: Ø-Bewertung ≥ 3,5 Sterne, Wertschöpfung ≥ 2.500 €, Umweltwert ≥ 45 und keine Schulden unter −1.000 € – der Endbericht zeigt dein Regionsprofil.
💡 Verlaufsvorschlag (Doppelstunde): (1) Einstieg 10′ – Opener-Foto + Leitfrage; Vorwissen: „Wo war es richtig überfüllt, als ihr unterwegs wart? Woran lag das?" (2) Erarbeitung I 15′ – Seiten 1–2 (Besucherlenkung, Standort am Weg), Hallstatt-Beispiel gemeinsam lesen. (3) Simulation 30′ – Karte „Talschleife", Auftrag: alle vier Ziele erreichen; wer fertig ist, versucht die Passstraße. (4) Auswertung 15′ – Endberichte vergleichen: Welches Regionsprofil? Wie hoch war der Lenkungs-Wert? Heatmap-Screenshots besprechen. (5) Vertiefung 20′ – Seiten 3–5 (Zielgruppen, Wertschöpfung, sanfte Mobilität), Abschlussdiskussion Parkplatz vs. Bushaltestelle.
Hinweis: Für den inklusiven Unterricht gibt es dieses Kapitel zusätzlich in Leichter Sprache – gleiche Bilder, gleiche Kernaussagen, reduzierte Aufgaben.
SEITE 1 · BESUCHERSTRÖME

1 · Wenn alle zum selben Ort wollen

Manche Orte sind sehr berühmt.
Zum Beispiel Hallstatt in Österreich.
In Hallstatt leben nur 740 Menschen.
Aber im Jahr kommen mehr als 1 Million Tages-Gäste.
Das ist zu viel für so ein kleines Dorf.
Man sagt dazu: Über-Tourismus.

Was kann ein Ort dagegen tun?
Er kann die Gäste lenken.
Zum Beispiel: Busse müssen sich vorher anmelden.
Nach Hallstatt dürfen nur noch 54 Busse am Tag.
Oder: Der Eintritt kostet etwas.
In Venedig zahlen Tages-Gäste an vielen Tagen 5 Euro.
Oder: Schilder zeigen schöne Wege, wo weniger los ist.

Merke:
Viele Gäste gehen ähnliche Wege.
Das nennt man: Besucher-Strom.
Besucher-Lenkung heißt: Man verteilt die Gäste besser.
🎮 In der Simulation:
Die Gäste laufen über die Wege deiner Karte.
Öffne die Statistik: Eine bunte Karte zeigt dir, wo die Gäste gehen.
So siehst du: Hier lohnt sich ein Gast-Haus.
✏️ Aufgabe:
  1. Ein Ort hat zu viele Gäste.
    Was kann der Ort tun?
    Nenne zwei Ideen.

1 · Besucherströme: Wenn alle zum selben Ort wollen

Gäste verteilen sich nicht gleichmäßig – sie folgen Sehenswürdigkeiten, Wegen und Empfehlungen aus dem Internet. So entstehen Besucherströme: vorhersagbare Bewegungen vieler Menschen durch einen Raum. Wo sich die Ströme stauen, kippt der ins Gegenteil: verstopft Gassen und Straßen, verärgert Einheimische und zerstört genau das Erlebnis, für das die Gäste gekommen sind.

Das bekannteste Beispiel Österreichs ist Hallstatt: 740 Einwohner:innen – aber gut 1,2 Millionen Tagesgäste im Jahr. Die Gemeinde steuert dagegen: Seit 2019 dürfen höchstens 54 Reisebusse pro Tag kommen, und die Veranstalter müssen ihren Zeit-Slot vorab buchen. 15 Beschäftigte kümmern sich nur um Busse, Autos und Verkehr. [1]

hat viele : Information (Beschilderung, Apps, Live-Auslastung), Reservierung (Slots, Tickets), Preise (Eintritt, Parkgebühr, über den Preis steuern), Sperren (Fahrverbote, Zufahrtszeiten) – und als freundlichstes Werkzeug: attraktive Alternativen schaffen, damit sich die Ströme von selbst verteilen.

📊 Echte Zahlen: Hallstatt: 740 Einwohner:innen, gut 1,2 Mio. Tagesgäste (2025), max. 54 Busse/Tag nur mit gebuchtem Slot [1] · Venedig: Tagesgäste zahlen an 60 Tagen (2026) 5 € Eintritt, Kurzentschlossene 10 € – Übernachtungsgäste sind befreit [2]
🎮 In der Simulation: Deine Gäste ziehen als Gruppen sichtbar über die Wege der Karte. Öffne das 📊 Statistik-Overlay: Eine Heatmap zeigt, wo die Ströme wirklich verlaufen – und wo dein Angebot ins Leere läuft. Am Ende fließt dein Lenkungs-Wert mit 10 % in die Gesamtnote ein: der Anteil der Gäste, die nicht mit dem Auto anreisen (eine Bushaltestelle bringt +10 Punkte extra).
✏️ Aufgaben:
  1. ANenne drei Werkzeuge der Besucherlenkung und je ein Beispiel aus dem Text.
  2. BRechne: 1.200.000 Tagesgäste : 365 Tage ≈ wie viele Gäste pro Tag im Durchschnitt? Vergleiche mit der Einwohnerzahl Hallstatts. Warum sind es an Spitzentagen noch viel mehr?
  3. C„Slots und Eintrittsgebühren sperren Menschen aus – das ist unfair." Nimm begründet Stellung: Wen schützt die Lenkung, wen belastet sie?
💡 Erwartungshorizont (Auswahl): B: ≈ 3.300 Gäste/Tag im Schnitt – mehr als das Vierfache der Einwohnerzahl; Spitzentage liegen weit darüber, weil sich Gäste auf Schönwetter, Wochenenden und Ferien konzentrieren (Saisonalität im Kleinen). C: Pro-Argumente Lebensqualität, Sicherheit, Erlebnisqualität; Contra Zugänglichkeit, soziale Selektion über Preise. Stolperstein: Schüler:innen halten Lenkung oft für „Gäste-Verhinderung" – herausarbeiten, dass sie das Erlebnis für die Gäste verbessert (weniger Stau, mehr Qualität). Hallstatt eignet sich als Kurzreferat mit dem ORF-Artikel als Quelle.
SEITE 2 · STANDORT AM WEG

2 · Der Weg bringt die Kunden

Wo baut man ein Gast-Haus am besten?
Direkt an den Weg!
Denn dort kommen die Gäste vorbei.
Ein Gast-Haus weit weg vom Weg bleibt leer.
Niemand macht einen Umweg für ein unbekanntes Haus.

Das war schon immer so.
Früher gab es Gast-Höfe an den Pass-Straßen.
Dort haben die Reisenden gegessen und geschlafen.
Heute gibt es Kioske am Rad-Weg.
Und Jausen-Stationen am Wander-Weg.
Die Regel ist gleich geblieben: Der Weg bringt die Kunden.

Merke:
Ein guter Stand-Ort liegt am Weg.
Dort kommen viele Menschen vorbei.
Das nennt man: Frequenz.
🎮 In der Simulation:
Jedes Gebäude hat einen Kreis. Das ist die Reich-Weite.
Nur Gäste im Kreis nutzen das Gebäude.
Baue also nah an den Weg!
Rad-Fahrer sind schnell.
Für sie muss das Angebot direkt am Rad-Weg stehen.
✏️ Aufgabe:
  1. Baue ein Café nah am Weg.
    Baue ein Café weit weg vom Weg.
    Welches Café bekommt mehr Gäste?

2 · Standort am Weg: Warum die Lage über alles entscheidet

In der Stadt zahlen Geschäfte in der Fußgängerzone die höchsten Mieten – für die „1a-Lage". Der Grund heißt : die Zahl der Menschen, die vorbeikommen. Jeder Meter Abstand vom Strom kostet Kundschaft, denn kaum jemand macht einen Umweg für ein Angebot, das er nicht kennt. Was für die Einkaufsstraße gilt, gilt genauso für die Tourismusregion: Der wichtigste ist die Lage am Weg.

Das ist keine neue Erkenntnis. Schon an mittelalterlichen Handels- und Passrouten reihten sich Gasthöfe, Herbergen und Schmieden – wer den Strom der Reisenden bediente, verdiente. Heute wiederholt sich das Muster am Radweg (Kiosk, Radwerkstatt), am Wanderweg (Jausenstation, Alpe) und an der Ausflugsstraße (Gasthof mit Parkplatz).

Zur Lage kommt die : Auch das bestgelegene Café kann nur eine begrenzte Zahl von Gästen gleichzeitig bedienen. Und Angebote verstärken sich gegenseitig: Wo Spielplatz, Eisdiele und WC beieinanderliegen, bleiben Familien länger als bei jedem Angebot allein – Fachleute sprechen von .

Merke: Frequenz = die Zahl der Vorbeikommenden. Ein Standort am Besucherstrom bekommt Kundschaft „gratis" – ein Standort abseits muss sie teuer anlocken. Reichweite und Kapazität begrenzen jedes Angebot.
🎮 In der Simulation: Beim Bauen zeigt die Vorschau einen Kreis – die Reichweite. Nur Gäste innerhalb des Kreises nutzen dein Gebäude, und jedes Gebäude bedient nur eine begrenzte Zahl (Kapazität) der nächstgelegenen Gäste. Radfahrer:innen sind mehr als doppelt so schnell wie Spaziergänger:innen – Angebote für sie wirken nur direkt am Radweg. Die ℹ️ Tourismusinfo verstärkt alle Attraktionen in ihrer Nähe (bis +32 %), und passende Nachbarn bilden Synergien: Spielplatz + Eisdiele +22 %, Café + Marktstand +18 %, Skilift + Almhütte +25 %.
💡 Didaktischer Hinweis: Lassen Sie Standortentscheidungen vorab begründen („Warum dorthin?") und danach an der Heatmap überprüfen – die Diskrepanz zwischen Vermutung und tatsächlichem Strom ist der Lernmoment. Starker Vergleichsauftrag: dieselbe Strategie auf der Karte Talschleife (ein Strom) und der Karte Kreuzung (vier Ströme, ein Zentrum) – wo ist die Standortwahl verzeihender? Stolperstein: Schüler:innen bauen gern „schön verteilt" über die ganze Karte; die Sim belohnt aber Cluster am Strom (Synergien).
SEITE 3 · ZIELGRUPPEN & MOBILITÄT

3 · Wer kommt wie an?

Nicht alle Gäste sind gleich.
Familien kommen oft mit dem Auto.
Sie brauchen: Spiel-Platz, WC und Eis.
Wander-Gruppen kommen zu Fuß.
Sie lieben Natur und Aussicht.
Rad-Fahrer kommen über den Rad-Weg.
Sie sind schnell und machen nur kurze Pausen.
Bus-Gruppen brauchen einen Park-Platz für den Bus.
Sonst fährt der Bus einfach weiter!

Von 100 Übernachtungs-Gästen in Österreich
kommen ungefähr 75 mit dem Auto.
Nur 11 kommen mit der Bahn.
Viele Orte wollen das ändern.
Denn viele Autos machen Lärm und Abgase.

Merke:
Jede Gäste-Gruppe hat eigene Wünsche.
Und jede Gruppe kommt anders an:
zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Bus oder mit dem Auto.
🎮 In der Simulation:
Es gibt 9 Gäste-Gruppen.
Sie kommen von 3 Start-Punkten:
Straße, Rad-Weg und Fuß-Weg.
Tippe eine Gruppe an.
Dann siehst du ihre Wünsche.
✏️ Aufgabe:
  1. Eine Schul-Klasse kommt in deine Region.
    Was braucht sie?
    Nenne zwei Dinge.

3 · Zielgruppen und ihre Mobilität: Wer kommt wie an?

„Die Gäste" gibt es nicht. Der Tourismus unterscheidet Zielgruppen – Gruppen mit ähnlichen Wünschen, ähnlichem Budget und ähnlicher Anreise: Familien (Auto; brauchen Spielplatz, WC, kurze Wege), Wandergruppen (zu Fuß; Natur, Aussicht, Einkehr), Radfahrer:innen (Radweg; schnell unterwegs, kurze Stopps, Werkstatt), Busreisegruppen (Bus; Programm, Souvenirs – und zwingend ein Busparkplatz), dazu Seniorengruppen, Schulklassen und anspruchsvolle Paare. Wer alle gleichzeitig ansprechen will, spricht am Ende niemanden richtig an – erfolgreiche Regionen wählen Schwerpunkte ().

Zur Zielgruppe gehört ihr Verkehrsmittel: Rund 75 % der Übernachtungsgäste in Österreich reisen mit dem Pkw an, nur 11 % mit der Bahn und 7 % mit dem Flugzeug. [3] Diese Aufteilung der Wege auf die Verkehrsmittel nennt man – an ihr liest eine Region ab, wie autolastig ihr Tourismus ist. Für eine Region heißt das: Wer nur Parkplätze baut, holt noch mehr Autos ins Tal – wer Bahn, Bus und Radweg stärkt, erschließt neue Gäste ohne neuen Autoverkehr.

Gerade der Radtourismus ist ein Wirtschaftsfaktor geworden: Die österreichische Radwirtschaft erwirtschaftet rund 2,9 Milliarden € Wertschöpfung und beschäftigt etwa 46.000 Menschen – zwei Drittel der direkt Beschäftigten arbeiten im Radtourismus. [4]

📊 Echte Zahlen: Anreise der Übernachtungsgäste in Österreich (2023): 75 % Pkw · 11 % Bahn · 7 % Flugzeug [3] · Radwirtschaft Österreich: 2,9 Mrd. € Wertschöpfung, ~46.000 Beschäftigte [4]
🎮 In der Simulation: Neun Zielgruppen kommen über drei Startpunkte: Straße West (Auto und Bus), Radweg Nord, Fußweg Süd. Jede Gruppe hat eigenes Tempo, Budget und Zufriedenheitsziel – von der Schulklasse (≈ 25 € Budget) bis zum wohlhabenden Paar (≈ 200 €, aber nur bei einem Wirtshaus der Stufe 4+ zufrieden). Tippe eine Gruppe an, um ihre Interessen zu sehen. Und Achtung bei Welle 5: Busgruppen ohne Parkplatz fahren einfach weiter – der Feed meldet es dir gnadenlos.
✏️ Aufgaben:
  1. ALege eine Tabelle an: Zielgruppe · Verkehrsmittel · zwei Bedürfnisse. Fülle sie für Familie, Radfahrer:in, Busgruppe und Schulklasse aus.
  2. BIn Welle 5 kommen Senioren, Busgruppen und Schulklassen gleichzeitig. Welche drei Gebäude baust du in der Baupause davor – und wohin? Begründe mit Anreise und Reichweite.
  3. C„Eine Region kann nicht allen gefallen." Stimmt das? Begründe mit zwei Zielgruppen, deren Wünsche sich widersprechen – und finde eine Lösung, wie beide trotzdem kommen können (Tipp: räumlich trennen).
💡 Erwartungshorizont (Auswahl): B: Parkplatz oder Bushaltestelle an der Straße West, WC zentral am Strom, Museum oder Souvenirshop in Reichweite des Dorfkerns; entscheidend ist die Begründung über Startpunkt + Reichweite, nicht die „richtige" Kombination. C: z. B. junge Actiongruppen vs. ruhesuchende Senioren – Lösung: getrennte Zonen (Berg/Action oben, Kultur/Café im Ort). Stolperstein: Viele übersehen, dass der Parkplatz die Busgruppen-Bedingung erfüllt, aber den Lenkungs-Wert senkt – genau dieser Widerspruch ist Stoff für Seite 5.
SEITE 4 · WERTSCHÖPFUNG

4 · Wie eine Region am Weg verdient

Ein Gast geht durch deine Region.
Er kauft ein Eis: 3 Euro.
Er isst im Gast-Haus: 15 Euro.
Er kauft ein Andenken: 8 Euro.
Das Geld bleibt bei den Menschen in der Region.
Das nennt man: Wert-Schöpfung.

Wichtig ist die Zeit.
Bleibt ein Gast lange, gibt er mehr Geld aus.
Geht er schnell durch, gibt er wenig aus.
Ein Café lädt zum Bleiben ein.
Ein Markt-Stand auch.
Und zufriedene Gäste erzählen es weiter.
Dann kommen noch mehr Gäste.

📊 Echte Zahlen:
Ein Winter-Gast gibt in Österreich ungefähr 193 Euro am Tag aus.
Ein Sommer-Gast gibt ungefähr 156 Euro am Tag aus.
🎮 In der Simulation:
Nur zufriedene Gäste geben Geld aus.
Ein Café bremst die Gäste. Sie bleiben länger.
Nach jeder Welle bewerten die Gäste deine Region.
Gute Sterne bringen mehr Gäste in der nächsten Welle.
✏️ Aufgabe:
  1. Ein Gast kauft: ein Eis für 3 Euro,
    ein Essen für 15 Euro und ein Andenken für 8 Euro.
    Rechne: Wie viel Geld bleibt in der Region?

4 · Wertschöpfung entlang der Route: Aufenthalt ist Geld

Jeder Halt eines Gastes ist ein kleines Geschäft: Eis, Mittagessen, Eintritt, Souvenir. Die Summe all dieser Ausgaben ist die – sie wird zu Löhnen, Pachten und Einkommen in der Region und sichert Arbeitsplätze weit über die Gastronomie hinaus (Bäckerei, Bauernhof, Handwerk). Zum Vergleich: Ein Übernachtungsgast gibt in Österreich im Winter rund aus, im Sommer 156 €. [5]

Die wichtigste Stellschraube ist die Aufenthaltsdauer: Wer nur durchfährt, gibt fast nichts aus. Deshalb versuchen Regionen, Gäste zu „bremsen" – mit Cafés, Märkten, Museen und Erlebnissen, die zum Bleiben einladen. Jede zusätzliche Stunde vor Ort bedeutet zusätzlichen Umsatz. Aus demselben Grund sind Übernachtungsgäste wertvoller als : Sie lassen Abendessen, Frühstück und da.

Aber Vorsicht vor der Abzock-Falle: Wer Gäste nur „melkt", verliert sie. Umsatz ist die Folge von Zufriedenheit – unzufriedene Gäste geben wenig aus, kommen nicht wieder und warnen andere. Im Zeitalter der Online-Bewertungen ist der Ruf einer Region ihr wertvollstes Kapital: Die Sterne von heute sind die Gäste von morgen.

📊 Echte Zahlen: Tagesausgaben pro Übernachtungsgast in Österreich: Winter 193 € · Sommer 156 € [5]
Merke: Wertschöpfung = alles, was Gäste vor Ort ausgeben. Sie wächst mit der Aufenthaltsdauer – und sie setzt Zufriedenheit voraus.
🎮 In der Simulation: Einnahmen sind die Folge von Zufriedenheit: Nur zufriedene Gäste konsumieren, und mehr als ihr Gruppenbudget geben sie nie aus. „Bremsen" verlängern den Aufenthalt – ein Café bremst je nach Ausbaustufe bis zu 30 %, Marktstand und Souvenirshop wirken ähnlich. Nach jeder Welle bewerten die Abgereisten deine Region im Social-Media-Feed, und der Ruf bestimmt die nächste Welle: Besucherfaktor = 0,7 + Ø-Sterne : 5. Wer unter 2 Sternen liegt, bekommt weniger Gäste – wer bei 5 liegt, fast das Doppelte. Ziel: 2.500 € Wertschöpfung bis zum Ende der 8. Welle.
💡 Didaktischer Hinweis: Der Feed ist Ihr bestes Auswertungswerkzeug: Lassen Sie nach Welle 4 drei echte Feed-Einträge vorlesen und zuordnen („Welche Zielgruppe schreibt hier? Was hat gefehlt?"). Die Formel Besucherfaktor = 0,7 + Sterne : 5 eignet sich als Mini-Rechenauftrag (bei 2 Sternen? bei 5?) und macht den Kreislauf Zufriedenheit → Ruf → Nachfrage greifbar. Stolperstein: Manche bauen nur Umsatzbringer (Wirtshaus, Souvenir) und wundern sich über sinkende Sterne – Attraktionen ohne Umsatz (Spielplatz, Aussicht) sind die Zufriedenheits-Basis.
SEITE 5 · SANFTE MOBILITÄT & ZIELKONFLIKTE

5 · Parkplatz oder Bus-Halte-Stelle?

Mehr Gäste brauchen mehr Platz.
Ein Park-Platz bringt viele Auto-Gäste.
Aber er macht Lärm, Abgase und braucht viel Fläche.
Eine Bus-Halte-Stelle bringt auch Gäste.
Und sie schadet der Natur fast gar nicht.
Das nennt man: sanfte Mobilität.

Ein Beispiel aus Vorarlberg:
Die Straße zum Formarin-See bei Lech ist tagsüber gesperrt.
Am Mittwoch sogar den ganzen Tag.
Die Gäste fahren mit dem Wander-Bus.
So bleibt das Berg-Tal ruhig und schön.

Merke:
Eine gute Region achtet auf drei Dinge:
auf das Geld, auf die Natur und auf die Menschen.
🎮 In der Simulation:
Der Park-Platz bringt Auto-Gäste. Aber die Umwelt leidet.
Die Bus-Halte-Stelle ist besser für die Natur.
Das Natur-Schutz-Gebiet macht die Umwelt besser.
Aber daneben darfst du nicht mehr bauen.
✏️ Aufgabe:
  1. Ein Investor bietet dir Geld.
    Dafür leidet die Natur.
    Nimmst du das Geld?
    Begründe deine Antwort.

5 · Sanfte Mobilität: Der Zielkonflikt Verkehr – Umwelt – Wirtschaft

Der Verkehr ist die Achillesferse des Tourismus: In Österreich verursacht er über 90 % der CO₂-Emissionen des Tourismus, und allein an den reisestarken Sommerwochenenden 2024 gab es 572 Staus. [3] Gleichzeitig braucht die Region ihre Gäste. Das ist ein klassischer : Mehr Parkplätze bringen mehr Gäste – aber auch mehr Lärm, Abgase und verbaute Fläche, die genau die Landschaft schmälern, für die alle kommen.

Die Antwort vieler Regionen heißt : Anreise und Wege vor Ort mit Bus, Bahn und Rad statt mit dem Auto. Vorarlberg zeigt, wie das geht: Die Straße zum Formarinsee bei Lech ist im Sommer tagsüber für Privatautos gesperrt (mittwochs sogar ganztägig), die Zufahrt kostet 25 € Maut – der Wanderbus (Linie 707) bringt die Gäste bequem hinauf. [6] Sperre, Preis und attraktive Alternative greifen ineinander.

Tourismus hält am Ende drei Dinge zugleich im Blick: Wirtschaft (Einkommen), Umwelt (Landschaft, Klima) und Menschen (Gäste UND Einheimische). Eine Region, die eines davon opfert, verliert langfristig alle drei.

📊 Echte Zahlen: Verkehr = über 90 % der CO₂-Emissionen des Tourismus in Österreich · 572 Staus an den Sommer-Reisewochenenden 2024 [3] · Formarinsee: Straße tagsüber gesperrt, Maut 25 €, Wanderbus ab Lech [6]
🎮 In der Simulation: Der 🅿️ Parkplatz bringt bis zu +35 % Auto- und Busgäste, kostet aber Umwelt (−8 beim Bau) und erzeugt Verkehr, auf den empfindliche Gruppen (Senioren, Familien, Radfahrer:innen) mit schlechteren Bewertungen reagieren. Die 🚏 Bushaltestelle bringt Gruppen fast ohne Umweltkosten und verbessert deinen Lenkungs-Wert. Das 🌿 Naturschutzgebiet hebt die Umwelt um +20 und verstärkt das Naturerlebnis – sperrt aber die Bauplätze im Umkreis. Und in Welle 4 klopft ein Investor an: 800 € sofort gegen Umwelt −10. Du entscheidest – und der Endbericht zeigt, was daraus wurde: von der 🌍 „Nachhaltigen Modellregion" bis zur 🌧️ „Krisenregion".
✏️ Abschluss-Aufgaben:
  1. AVergleiche Parkplatz und Bushaltestelle in einer Tabelle: Kosten, Wirkung auf Gäste, Wirkung auf Umwelt und Verkehr.
  2. BBearbeite die Simulation einmal mit Parkplatz-Strategie und einmal mit Bus-Strategie. Vergleiche im Endbericht: Wertschöpfung, Umweltwert, Lenkungs-Wert, Regionsprofil. Erkläre die Unterschiede.
  3. CEntwirf für ein überlaufenes Ausflugsziel deiner Wahl ein Lenkungskonzept mit mindestens drei Instrumenten (Information, Reservierung, Preis, Sperre, Alternative). Begründe jedes Instrument – und benenne, wer davon einen Nachteil hat.
💡 Differenzierung & Auswertung: B ist der Kernauftrag des Kapitels: Die Parkplatz-Strategie gewinnt meist bei der Wertschöpfung, verliert aber Umwelt- und Lenkungs-Punkte – dass beide Strategien die Vier-Ziele-Hürde schaffen können, macht die Abwägung ehrlich. Leistungsstarke Gruppen: Karte „Passstraße" (kaum Bauplätze – jede Entscheidung zählt doppelt) oder Zusatzziel „Nachhaltige Modellregion" (Ø ≥ 3,5 Sterne UND Umwelt ≥ 65). Die ergebnisabhängigen Reflexionsfragen im Endbericht eignen sich direkt als Hausübungs-Schreibauftrag. Für Aufgabe C liefern Hallstatt (Seite 1) und der Formarinsee die Musterbeispiele – reale Konzepte vergleichen lassen.
QUELLEN

Quellen & zum Weiterlesen

Alle Zahlen in diesem Heft sind echt.
Sie kommen von Ämtern, Fach-Leuten und Zeitungen.
Hier stehen die Quellen:

[1] ORF Oberösterreich: Hallstatt-Tourismus auch im Winter ungebremst (2025) — ooe.orf.at
[2] ÖAMTC: Eintrittsgebühr für Venedig bleibt auch 2026 — oeamtc.at
[3] VCÖ – Mobilität mit Zukunft: Factsheet „Tourismusregionen durch nachhaltige Mobilität stärken" — vcoe.at · ergänzend BMWET: Mobilität im Tourismus – Trends — bmwet.gv.at
[4] klimaaktiv mobil / BMK: Kurzstudie „Wirtschaftsfaktor Radfahren" (2022) — klimaaktivmobil.at
[5] Österreich Werbung / T-MONA: Tagesausgaben Winter- vs. Sommergäste — tourismuspresse.at
[6] Gemeinde Lech: Ortsbus & Wanderbus Formarinsee (Fahrverbotszeiten, Maut, Linie 707) — gemeinde.lech.at