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LOGISTIK · KAPITEL-START

Geografie und wirtschaftliche Bildung · Sek I

Waren auf Reisen

Wie kommt die Ware in den Super-Markt?
Und wer plant den Weg dorthin?

Darum geht es in diesem Heft:
Fast alles, was du benutzt, war auf Reisen.
Dein T-Shirt, dein Handy, deine Banane.
Du lernst: Wer bringt die Waren von Ort zu Ort?
Du lernst: Wann ist der LKW gut? Wann ist der Zug gut? Wann ist das Schiff gut?
Du lernst: Warum fahren so viele LKW über die Alpen?
Und du lernst: Warum ist ein Regal manchmal leer?
🎮 So arbeitest du mit der Simulation:
Du leitest eine Transport-Firma in Europa.
Du siehst eine Landkarte mit Städten.
Du bekommst Aufträge: Bringe Ware von Stadt A nach Stadt B.
Du wählst ein Fahrzeug und schickst es los.
Jede Lieferung bringt Geld.
Aber Achtung: Dein Fahrzeug kostet jeden Tag Miete.
Wer kein Geld mehr hat, scheidet aus.

Wie kommt die Ware ins Regal – und wer entscheidet, ob sie mit LKW, Zug oder Schiff reist?

Darum geht es in diesem Kapitel: Fast alles, was dich umgibt, war auf Reisen – oft quer durch Europa oder um die halbe Welt. Du lernst, wie diese Warenströme plant, welche Stärken LKW, Zug und Schiff haben, warum und der den Welthandel revolutioniert haben, warum der Brenner Europas meistbelastete Alpenroute ist – und wieso ein festgefahrenes Schiff in Ägypten Regale in Vorarlberg leeren kann.
AT · GW 2. Kl.: Märkte & arbeitsteilige Produktion AT · GW 3. Kl.: Güterströme & kombinierte Verkehre AT · GW 4. Kl.: Globalisierung & Lieferketten AT · ÜT 12: Verkehrs- & Mobilitätsbildung DE · DGfG F3: Welthandel & Globalisierung CH · LP21: WAH.3 Warenströme · RZG 2.4 Mobilität
🎮 So arbeitest du mit der Simulation: Du übernimmst die eines kleinen Logistikunternehmens. Auf der Europa-Karte warten : Ware von Stadt A nach Stadt B, mit Erlös – und ab Level 2 mit . Du wählst das , dein LKW fährt auf echten Autobahn-Strecken. In Level 1 startest du mit einem Lieferwagen in Wien und musst 4 Tage durchhalten; in Level 2 kommen Fristen, größere Fahrzeuge und ab Tag 5 ein Güterzug dazu. Die Kostenzeile „€/100 km" an jedem Fahrzeug hilft beim Vergleichen – und die Tagesmiete läuft auch, wenn das Fahrzeug steht.
💡 Verlaufsvorschlag (Doppelstunde): (1) Einstieg 10′ – Gegenstand hochhalten (Turnschuh, Handy): „Welche Reise hat dieses Ding hinter sich?" Stationen an der Tafel sammeln. (2) Erarbeitung I 15′ – Seiten 1–2 (Logistikkette, Verkehrsträger-Vergleich). (3) Simulation 30′ – Level 1: Auftrag: 4 Tage überstehen und den Leerfahrten-Anteil unter 30 % halten. (4) Auswertung 15′ – Lehrer-Cockpit: Endbilanzen und Leerfahrten-Anteile vergleichen. Wer ist pleite gegangen – und warum (Tagesmiete!)? (5) Vertiefung 20′ – Seiten 3–5 (Häfen, Alpentransit, Just-in-time), Level 2 als Hausübung oder Folgestunde.
Hinweis: Für den inklusiven Unterricht gibt es dieses Kapitel zusätzlich in Leichter Sprache; die Simulation spricht wichtige Ereignisse auch als kurze Audio-Meldungen.
SEITE 1 · WAS IST LOGISTIK?

1 · Alles ist unterwegs

Schau dich in deinem Klassen-Zimmer um.
Der Tisch, das Heft, der Computer:
Alles wurde irgendwo hergestellt.
Und alles wurde hierher gebracht.
Dieses Bringen nennt man: Transport.
Das Planen vom Transport nennt man: Logistik.

Eine Ware macht eine lange Reise.
Zuerst kommt der Roh-Stoff in die Fabrik.
Dann kommt die Ware in ein großes Lager.
Dann kommt sie in das Geschäft.
Diese Reise nennt man: die Liefer-Kette.

Merke:
Logistik plant den Weg der Waren.
Vom Roh-Stoff bis in das Geschäft.
📊 Echte Zahlen:
Von 100 Waren-Ladungen in Europa fahren 78 mit dem LKW.
Nur 17 fahren mit dem Zug.
Nur 5 fahren mit dem Schiff auf Flüssen.
🎮 In der Simulation:
Links siehst du die Aufträge.
Rechts siehst du deine Fahrzeuge.
Klicke zuerst auf ein Fahrzeug.
Klicke dann auf einen Auftrag.
Das Fahrzeug fährt los und liefert die Ware.
✏️ Aufgabe:
  1. Nimm einen Gegenstand aus deiner Schul-Tasche.
    Woher kommt er?
    Schau auf das Etikett.

1 · Alles ist unterwegs: Was Logistik leistet

Dein Frühstück, dein Sitznachbar-Sessel, das Papier in deinem Heft: Nichts davon ist dort entstanden, wo du es benutzt. ist die Kunst, Waren zur richtigen Zeit, in der richtigen Menge, an den richtigen Ort zu bringen – möglichst günstig und zuverlässig. Sie ist unsichtbar, solange sie funktioniert. Erst wenn ein Regal leer bleibt, merken wir, wie viel Planung dahintersteckt.

Jede Ware durchläuft eine : Rohstoff → Fabrik → Lager → Geschäft. An jeder Station wird transportiert, umgeladen, gelagert. Organisiert wird das von – Firmen, die Transporte planen und verkaufen, oft ohne eigene Fahrzeuge. Das Herzstück ihrer Arbeit ist die : Welcher bekommt welches Fahrzeug, in welcher Reihenfolge? Gute Disposition spart Geld, Zeit – und Abgase.

Europa ist dabei ein einziger großer Warenraum: Im EU-Binnenmarkt passieren LKW, Züge und Schiffe die Grenzen ohne Zollkontrolle. Doch die Lastenverteilung ist einseitig: 78 % der Transportleistung rollen auf der Straße, nur 17 % auf der Schiene und 5 % auf Binnengewässern – Tendenz: noch mehr Straße. [1] Diese Aufteilung der Güter auf die Verkehrsträger nennt man – die wohl meistdiskutierte Kennzahl der Verkehrspolitik.

Merke: Logistik plant, steuert und überwacht den Weg der Waren vom Rohstoff bis zur Kundin. Kernfragen: Womit? Wann? Welcher Weg? Was darf es kosten?
📊 Echte Zahlen: Güterverkehr in der EU (Anteil an der Transportleistung, 2024): Straße 78 % · Schiene 17 % · Binnenschiff 5 %. Trotz aller Klimaziele wächst der Straßenanteil seit Jahren. [1]
🎮 In der Simulation: Du bist Disponent:in. Links stapeln sich die Auftragskarten (Ware, Start, Ziel, Erlös), rechts stehen deine Fahrzeuge. Klicke ein Fahrzeug an, dann die passenden Aufträge – beladen wird automatisch, dann geht es los. Manche Aufträge tragen das Zeichen „↗ woanders": Sie starten in einer anderen Stadt, zahlen besser – kosten dich aber eine zum Abholort. Genau solche Abwägungen sind echte Dispositionsarbeit.
💡 Didaktischer Hinweis: Der Zugang über Alltagsgegenstände trägt weit – lassen Sie Etiketten lesen („Made in …") und die vermutete Route auf der Wandkarte nachfahren. Stolperstein: Schüler:innen setzen Logistik oft mit „LKW-Fahren" gleich. Die Simulation korrigiert das von selbst – wer dort nur fährt, ohne zu planen, zahlt drauf, weil Tagesmiete und Leerfahrten das Konto leeren.
SEITE 2 · VERKEHRSTRÄGER

2 · LKW, Zug oder Schiff?

Der LKW kann fast überall hinfahren.
Er bringt die Ware bis vor die Tür.
Aber er macht viele Abgase.

Der Zug zieht sehr viele Container auf einmal.
Er macht wenig Abgase.
Aber er braucht Gleise und einen Bahnhof zum Umladen.

Das Schiff trägt riesige Mengen.
Es ist billig und macht pro Ware wenig Abgase.
Aber es ist langsam.
Und es braucht einen Fluss oder das Meer.

📊 Echte Zahlen:
Eine Tonne Ware fährt 1 Kilometer weit.
Der LKW macht dabei 119 Gramm Abgas (CO₂).
Das Fluss-Schiff macht nur 34 Gramm.
Der Güter-Zug macht nur 20 Gramm.
🎮 In der Simulation:
Der kleine Lieferwagen trägt 1 Container.
Der mittlere trägt 2 Container.
Der große LKW trägt 3 Container.
Der Güter-Zug trägt 6 Container.
Aber der Zug kostet viel Miete.
Miete ihn nur, wenn du viel zu transportieren hast.
✏️ Aufgabe:
  1. Was passt am besten?
    Ein Paket für deine Nachbarin: LKW, Zug oder Schiff?
    1.000 Tonnen Getreide nach Rotterdam: LKW, Zug oder Schiff?

2 · LKW, Zug oder Schiff? Verkehrsträger im Vergleich

Warum fährt überhaupt so viel auf der Straße? Weil der LKW unschlagbar flexibel ist: Er fährt vom Werkstor bis zur Laderampe, ohne Umladen, auf jedem Weg. Dafür ist er pro Tonne der teuerste Klimafaktor und steht mit im Stau.

Der Güterzug zieht dutzende Container mit einem einzigen Triebfahrzeug – konkurrenzlos effizient auf langen Strecken. Sein Nachteil: Er braucht Gleise und ein , und jeder Wechsel des Verkehrsmittels kostet Zeit und Geld – der . Das schließlich transportiert auf Rhein und Donau riesige Mengen langsam, aber günstig – ein einziger Schubverband ersetzt über hundert LKW-Ladungen.

Die Kunst liegt im Kombinieren: Beim reist derselbe erst per Schiff, dann per Bahn, die letzten Kilometer per LKW. So nutzt jede Etappe den passenden Träger – vorausgesetzt, die Umschlagpunkte funktionieren.

📊 Echte Zahlen (Treibhausgase je Tonnenkilometer): LKW 119 g · Binnenschiff 34 g · Güterzug 20 g CO₂e. Ein Tonnenkilometer heißt: 1 Tonne Ware wird 1 km weit transportiert. [2] [3]
Beispiel: 1 Tonne über 500 km – LKW: 500 · 119 g ≈ 59,5 kg · Zug: 500 · 20 g = 10 kg CO₂e.
Merke: Kein Verkehrsträger ist „der beste". LKW = flexibel, Zug = effizient auf Distanz, Schiff = billig für Massen. Intermodaler Verkehr kombiniert die Stärken – der Umschlag ist der Preis dafür.
🎮 In der Simulation: Deine Flotte bildet genau diese Staffelung ab: kleiner Lieferwagen (1 Container), mittlerer (2), großer LKW (3) – und in Level 2 ab Tag 5 ein Güterzug mit 6 Containern. Der Zug lohnt sich nur voll beladen, sonst frisst seine Tagesmiete den Gewinn – genau wie im echten Bahngeschäft. Vergleiche vor dem Laden die Zeile „€/100 km". Und beim Andocken wartet die Mini-Übung „An-die-Rampe-Einparken": Wer sauber rückwärts andockt, verkürzt die nächste Ladezeit; wer die Rampe rammt, zahlt 1.000 € Reparatur.
✏️ Aufgaben:
  1. AErstelle eine Tabelle mit den Stärken und Schwächen von LKW, Güterzug und Binnenschiff (je 2).
  2. BBerechne die CO₂e-Menge für 3 Tonnen Ware über 800 km – einmal per LKW, einmal per Güterzug. (Rechenweg: Tonnen · Kilometer · Gramm-Wert.)
  3. CTrotz der Klimazahlen fahren 78 % der Güter auf der Straße. Nenne drei Gründe – und erkläre, warum eine Firma sich oft auch dann für den LKW entscheidet, wenn der Zug billiger wäre.
💡 Erwartungshorizont B: LKW: 3 · 800 · 119 g = 285.600 g ≈ 285,6 kg; Zug: 3 · 800 · 20 g = 48.000 g = 48 kg CO₂e. Zu C: Flexibilität (Haus-zu-Haus ohne Umschlag), Geschwindigkeit/ Planbarkeit, fehlende Gleisanschlüsse, kurzfristige Verfügbarkeit. Stolperstein: „Der Zug ist immer besser" – in der Simulation erleben die Schüler:innen selbst, dass ein halbleerer Zug Verlust macht. Nutzen Sie das als Aha-Moment: Effizienz braucht Auslastung.
SEITE 3 · HÄFEN & CONTAINER

3 · Häfen und Container

Viele Waren kommen mit großen Schiffen über das Meer.
Die Schiffe legen in einem Hafen an.
Der größte Hafen in Europa heißt Rotterdam.
Er liegt in den Niederlanden, am Meer und am Fluss Rhein.

Früher haben Arbeiter jede Kiste einzeln getragen.
Das hat viele Tage gedauert.
Heute steckt die Ware in Containern.
Ein Container ist eine große Metall-Box.
Alle Container haben die gleiche Form.
Darum kann ein Kran sie schnell umladen:
vom Schiff auf den Zug oder auf den LKW.

📊 Echte Zahlen:
Durch den Hafen Rotterdam gingen im Jahr 2024 fast 14 Millionen Container.
Das größte Container-Schiff der Welt ist 400 Meter lang.
Es trägt mehr als 24.000 Container.
🎮 In der Simulation:
Auf der Karte siehst du Häfen mit einem Anker-Zeichen ⚓.
Zum Beispiel: Hamburg, Rotterdam, Genua und Triest.
Manche Aufträge bringen Container zum Hafen.
Andere holen Container vom Hafen ab.
Wichtig: Wartende Container kosten Stand-Geld!
✏️ Aufgabe:
  1. Warum kann ein Kran Container so schnell umladen?
    Tipp: Schau dir die Form der Container an.

3 · Häfen und Container: Europas Tore zur Welt

Wo Waren übers Meer kommen, entscheiden Häfen über ganze Wirtschaftsräume. Europas größter ist Rotterdam: 2024 wurden dort 435,8 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen, darunter 13,8 Millionen Container. [4] Seine Lage ist kein Zufall – an der Rheinmündung gelegen, reicht sein „Hinterland" per Binnenschiff bis Basel, per Bahn und LKW bis weit nach Mitteleuropa. Die Donau verbindet umgekehrt Bayern und Österreich mit dem Schwarzen Meer. Solche Drehscheiben nennt man .

Möglich machte diesen Boom eine Kiste: 1956 ließ der US-Spediteur Malcom McLean erstmals genormte Boxen auf ein Schiff heben – die Geburt des . Das Verladen einer Tonne Fracht kostete damals 5,83 Dollar in Handarbeit, im Container nur noch 16 Cent. [5] Gemessen wird seither in (Standard-Containern à 20 Fuß ≈ 6 m). Die größten Schiffe tragen heute über 24.000 TEU – aneinandergereiht wäre das eine Kette von rund 146 km: 24.346 · 6 m. [6]

Im Hafen zählt Tempo: Jeder Container, der herumsteht, verursacht . Und wie Obst reist im gekühlten – bei ihr wird die Frist zur Frischefrage.

📊 Echte Zahlen: Rotterdam 2024: 435,8 Mio. t Umschlag, 13,8 Mio. TEU [4] · Erste Containerfahrt: 1956, „Ideal X", 58 Boxen [5] · Größtes Containerschiff „MSC Irina": 24.346 TEU, 400 m lang [6]
Merke: Der genormte Container macht den Umschlag zwischen Schiff, Bahn und LKW schnell und billig – er ist die Grundlage des heutigen Welthandels.
🎮 In der Simulation: Häfen erscheinen auf der Karte mit dem ⚓-Symbol: Hamburg, Rotterdam, Triest, Genua, Göteborg, Gdańsk. Aufträge verbinden sie mit dem Hinterland – etwa München → Hafen Genua oder Hafen Rotterdam → Paris. Läuft ein Schiff ein, wollen gleich mehrere Container weiter ins Landesinnere. Denk an die Standkosten: Container, die am Kai warten, kosten dich jede Stunde Geld.
💡 Didaktischer Hinweis: Kartenarbeit lohnt hier: Lassen Sie begründen, warum München-Übersee-Fracht oft über Genua statt Hamburg läuft (Distanz!) – dieselbe Abwägung taucht in der Simulation als Auftragswahl auf. Erwartung: Luftlinie München–Genua ca. 450 km vs. München–Hamburg ca. 610 km; zudem spart die Südroute die Umfahrung der Alpen für Mittelmeerziele. Stolperstein: „Hafen = Meer" – Wolfurt zeigt, dass es auch Binnen-Terminals gibt (trockener Hafen).
SEITE 4 · ALPENTRANSIT

4 · Nadel-Öhr Alpen

Die Alpen sind hohe Berge mitten in Europa.
Aber die Waren müssen über die Berge.
Von Deutschland nach Italien.
Von Italien nach Deutschland.
Das nennt man: Transit-Verkehr.

Der wichtigste Übergang heißt Brenner.
Er liegt in Tirol, in Österreich.
Dort fahren sehr viele LKW.
Das macht viel Lärm und viele Abgase.
Die Menschen im Tal leiden darunter.

Die Schweiz macht es anders.
Dort fahren die meisten Waren mit dem Zug durch einen Tunnel.
Der Gotthard-Tunnel ist 57 Kilometer lang.
Österreich baut jetzt auch so einen Tunnel:
den Brenner-Basis-Tunnel.

📊 Echte Zahlen:
Über den Brenner fuhren im Jahr 2024 fast 2 und eine halbe Million LKW.
Das sind fast 3-mal so viele wie über alle Schweizer Berg-Straßen zusammen.
🎮 In der Simulation:
Deine Fahrzeuge fahren auf echten Autobahnen.
Von München nach Mailand geht es über die Alpen.
Manchmal kommt ein Schnee-Sturm oder ein Unfall.
Dann dauert die Fahrt länger.
✏️ Aufgabe:
  1. Viele LKW fahren durch ein enges Tal.
    Was stört die Menschen dort?
    Nenne zwei Dinge.

4 · Nadelöhr Alpen: Transit über den Brenner

Zwischen den Industrieräumen nördlich und südlich der Alpen liegt eine 800 km lange Gebirgsmauer – überquerbar nur an wenigen Pässen und Tunneln. Güter, die Österreich oder die Schweiz nur durchqueren, nennt man . Der mit Abstand meistbelastete Übergang ist der Brenner (1.370 m) zwischen Tirol und Südtirol: 2,46 Millionen LKW rollten 2024 über die Brennerautobahn – fast dreimal so viele wie über alle vier Schweizer Alpenrouten zusammen (0,86 Mio.). [7] [8] Für die Menschen im engen Wipptal bedeutet das Dauerbelastung durch Lärm und Abgase.

Die Schweiz zeigt seit den 1990ern einen anderen Weg: Per Volksabstimmung beschloss sie, den Transit auf die Schiene zu verlagern – mit hohen LKW-Abgaben und den NEAT-. Ein Basistunnel durchquert das Gebirge nicht oben am Pass, sondern flach an seinem Fuß – so kommen auch schwere Güterzüge ohne Steigung hindurch. Der Gotthard-Basistunnel (57 km, eröffnet 2016) ist der längste Eisenbahntunnel der Welt; rund 72 % des alpenquerenden Güterverkehrs der Schweiz fahren heute per Bahn. [9] [10]

Österreich steuert mit Blockabfertigung, Nachtfahr- und sektoralen Fahrverboten dagegen – und setzt auf die (der ganze LKW fährt auf dem Zug mit, die Fahrer:innen ruhen im Begleitwagen) sowie den Brenner-Basistunnel: 55 km von Innsbruck nach Franzensfeste, mit der Umfahrung Innsbrucks 64 km – die längste unterirdische Bahnverbindung der Welt, geplant ab etwa 2032. [11]

📊 Echte Zahlen: Brenner 2024: 2,46 Mio. LKW [7] · alle Schweizer Alpenrouten zusammen: 0,86 Mio. [8] · Bahnanteil am alpenquerenden Güterverkehr der Schweiz: ~72 % [9] · Gotthard-Basistunnel: 57 km [10] · Brenner-Basistunnel: 55 km, Eröffnung frühestens 2032 [11]
Merke: Transitverkehr nützt Europas Wirtschaft, belastet aber die Menschen entlang der Route. Die Schweiz verlagert per Gesetz und Tunnel auf die Bahn – Österreich baut mit dem Brenner-Basistunnel gerade nach.
🎮 In der Simulation: Deine Fahrzeuge nutzen echte Autobahn-Strecken – von München nach Mailand quert dein LKW die Alpen über die Brennerachse. Ereignisse wie Schneesturm, Unfall oder Bahnstreik bremsen unterwegs. Und in der Autobahn-Übung steuerst du selbst Auf- und Abfahrten, etwa Innsbruck (A12/A13) oder Verona Nord (A22) – wer die Ausfahrt verpasst, verliert Zeit.
✏️ Aufgaben:
  1. AErkläre den Begriff „Transitverkehr" und nenne zwei Belastungen für die Bevölkerung entlang der Route.
  2. BVergleiche die Strategien Österreichs und der Schweiz gegen die LKW-Lawine: Nenne je zwei Maßnahmen und schätze ihre Wirkung anhand der Zahlen im 📊-Kasten.
  3. C„Transit-LKW gehören per Gesetz auf die Bahn!" Nimm begründet Stellung – beachte dabei auch, dass innerhalb der EU der freie Warenverkehr gilt und Österreich Durchfahrten nicht einfach verbieten darf.
💡 Erwartungshorizont B/C: B: CH = Verlagerung per Abgabe (LSVA) + NEAT-Tunnel → Bahnanteil ~72 %; AT = Blockabfertigung, Fahrverbote, RoLa → Brenner bleibt trotzdem Europas LKW-Route Nr. 1 (Ausweicheffekt: Der Brenner ist der niedrigste und mautgünstigste Hauptübergang, ein Teil des Verkehrs weicht von der Schweiz dorthin aus). C: Zielkonflikt EU-Warenverkehrsfreiheit vs. Gesundheitsschutz – der EuGH kippte Tiroler sektorale Fahrverbote bereits zweimal (2005 und 2011); gute Antworten erkennen, dass Infrastruktur (BBT) und Preise wirksamer sind als Verbote. Stolperstein: Schüler:innen halten „einfach verbieten" für die Lösung – hier lohnt die Diskussion.
SEITE 5 · LIEFERKETTEN

5 · Warum ist das Regal leer?

Lager kosten viel Geld.
Darum haben viele Firmen nur kleine Lager.
Die Ware kommt genau dann, wenn man sie braucht.
Das nennt man: just in time.
Das heißt: genau zur richtigen Zeit.

Aber das ist auch gefährlich.
Im Jahr 2021 blieb ein riesiges Schiff im Suez-Kanal stecken.
Das Schiff hieß „Ever Given".
Es war 400 Meter lang.
6 Tage lang konnte kein Schiff vorbei.
Viele Fabriken bekamen keine Teile mehr.
Manche Regale blieben leer.

Und noch ein Problem: Leer-Fahrten.
Von 5 LKW-Fahrten in Europa ist etwa 1 Fahrt ganz leer.
Der LKW fährt, aber er bringt nichts.
Das kostet Geld und macht unnötige Abgase.

📊 Echte Zahlen:
In Deutschland waren im Jahr 2024 mehr als 4 Milliarden Pakete unterwegs.
Das sind ungefähr 12 Millionen Pakete pro Tag.
🎮 In der Simulation:
Ab Level 2 hat jeder Auftrag eine Frist.
Bist du zu spät, kostet das Straf-Geld.
Die Anzeige zeigt dir deine Leer-Fahrten.
Wenige Leer-Fahrten = gute Planung!
✏️ Aufgabe:
  1. Dein LKW bringt Ware von Wien nach Berlin.
    Wie kommt er ohne Leer-Fahrt zurück?
    Was für einen Auftrag braucht er?

5 · Just-in-time: Wenn das Regal leer bleibt

Lagerhallen kosten Miete, gebundenes Geld und Personal. Deshalb arbeiten Fabriken und Handel heute : Die Ware kommt genau dann an, wenn sie gebraucht wird – das Lager fährt quasi auf der Autobahn mit. Das spart Kosten, macht Lieferketten aber verwundbar: Fällt ein Glied aus, steht binnen Tagen die Produktion.

Wie schnell das geht, zeigte 2021 die „Ever Given": Das 400-m-Containerschiff stellte sich im Suezkanal quer und blockierte sechs Tage lang die wichtigste Wasserstraße zwischen Asien und Europa. Pro Tag wurden Waren im Wert von rund 9 Milliarden US-Dollar aufgehalten; über 400 Schiffe stauten sich, und Wochen später fehlten in Europa Teile und Produkte. [12]

Effizienz hat noch eine zweite Stellschraube: die . Rund jede fünfte LKW-Fahrt in der EU ist leer, in Österreich ist es sogar jeder dritte gefahrene Kilometer. [13] Gute Disposition sucht deshalb immer eine Rückladung. Und der Boom geht weiter: Allein in Deutschland waren 2024 4,29 Milliarden Paketsendungen unterwegs – der Online-Handel verwandelt Wohnstraßen in die „" der Logistik – den teuersten Abschnitt der ganzen Kette, weil hier jedes Paket einzeln an eine Tür gebracht wird. [14]

📊 Echte Zahlen: „Ever Given" 2021: 6 Tage Blockade, ~9 Mrd. USD aufgehaltene Waren pro Tag [12] · EU: ~20 % Leerfahrten, AT: jeder 3. LKW-Kilometer leer [13] · Deutschland 2024: 4,29 Mrd. Paketsendungen (+2,8 %) [14]
Merke: Just-in-time spart Lagerkosten, macht Lieferketten aber störanfällig. Nachhaltige Logistik heißt: Leerfahrten vermeiden, Ladungen bündeln, auf klimafreundliche Verkehrsträger verlagern – und Puffer für Krisen einplanen.
🎮 In der Simulation: Ab Level 2 trägt jeder Auftrag eine mit Restzeit-Balken – Verspätung kostet 10–30 % des Auftragswerts pro Stunde Strafe. Das Statusfeld oben zeigt deinen Leerfahrten-Anteil live an: Er ist deine Nachhaltigkeits-Kennzahl. Plane wie ein Profi: Nimm für den Rückweg einen „↗ woanders"-Auftrag mit, statt leer heimzufahren. Am Ende zählt die Endbilanz – 1 bis 5 Sterne.
✏️ Abschluss-Aufgaben:
  1. BErkläre mit dem Begriff „just in time", wie ein blockierter Kanal in Ägypten dazu führen kann, dass Wochen später in Vorarlberg ein Produkt fehlt. Skizziere die Kette.
  2. CDu leitest eine Spedition mit hohem Leerfahrten-Anteil. Schreibe ein kurzes Konzept (5 Sätze) an dein Team: Wie senkst du Leerfahrten und Verspätungen? Verwende drei Fachbegriffe aus diesem Kapitel.
💡 Differenzierung & Auswertung: Im Lehrer-Cockpit lohnt der Vergleich von Endbilanz und Leerfahrten-Anteil nebeneinander: Wer beides gut hält, hat Disposition verstanden – hohe Bilanz bei vielen Leerfahrten deutet auf Glück statt Planung. Leistungsstarke Gruppen: Level 2 mit Zusatzauftrag „Leerfahrten-Anteil unter 20 %" (entspricht dem EU-Schnitt – das dürfen Sie ruhig verraten). Unterstützung: Die ℹ-Erklärungen zu jedem Statusfeld in der Simulation lesen lassen. Für den inklusiven Unterricht: Leichte-Sprache-Version dieses Kapitels — gleiche Bilder, gleiche Kernaussagen, reduzierte Aufgaben.
QUELLEN

Quellen & zum Weiterlesen

Alle Zahlen in diesem Heft sind echt.
Sie kommen von Ämtern, Häfen und Forscher:innen.
Hier stehen die Quellen:

[1] Statistisches Bundesamt (Destatis): Güterverkehr in der EU 2024 – Modal Split (Eurostat-Daten) — destatis.de
[2] Umweltbundesamt (DE): Güterverkehr – Emissionsvergleich der Verkehrsträger — umweltbundesamt.de
[3] Deutsche Bahn: Verkehrsträgervergleich Güterverkehr (CO₂e je Tonnenkilometer, Basis UBA/TREMOD) — deutschebahn.com
[4] Port of Rotterdam: Jahreszahlen 2024 (Gesamtumschlag & Container) — portofrotterdam.com · schifffahrtundtechnik.de
[5] The Geography of Transport Systems: First Containership, Ideal-X, 1956 — transportgeography.org
[6] Offshore Energy: MSC Irina – 24.346 TEU (2023) — offshore-energy.biz
[7] Land Tirol: Verkehr in Tirol – Bericht 2024 (LKW-Zahlen Brenner) — tirol.gv.at
[8] VCÖ: Brenner vs. Schweizer Alpenrouten im Vergleich — vcoe.at
[9] UVEK / BAV (CH): Verkehrsverlagerung – Bahnanteil am alpenquerenden Güterverkehr — uvek.admin.ch · verkehrsrundschau.de
[10] Wikipedia: Gotthard-Basistunnel (57 km, eröffnet 2016) — wikipedia.org
[11] ADAC: Brenner-Basistunnel – Stand des Rekordbauwerks — adac.de
[12] Universität Göteborg: The cost of the Suez Canal blockage (2021) — gu.se · wikipedia.org
[13] Eurostat via trans.info: Jede fünfte Fahrt in der EU leer — trans.info · VCÖ: Lkw-Leerfahrten in Österreich — vcoe.at
[14] BPEX (vormals BIEK): KEP-Studie 2025 – Zahlen & Fakten — bpex-ev.de