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HELI-NAVIGATION · KAPITEL-START

Geografie und wirtschaftliche Bildung · Sek I

Mit Karte und Koordinaten

Ein Mensch ist in den Bergen verletzt.
Wie findet der Rettungs-Hubschrauber ihn?

Darum geht es in diesem Heft:
Du fliegst einen Rettungs-Hubschrauber.
Du lernst: So findet man jeden Ort auf der Erde.
Du lernst: So liest man eine Karte mit Bergen.
Du lernst: So rechnet man aus, wie lange ein Flug dauert.
Und du lernst: So ruft man in den Bergen richtig um Hilfe.
🎮 So arbeitest du mit der Simulation:
Du bist in der Einsatz-Zentrale.
Du wählst einen Einsatz aus.
Dann planst du die Flug-Route auf der Karte.
Du startest den Hubschrauber.
Du fliegst über die Karte zum Einsatz-Ort.
Dort rettest du die verletzte Person mit der Seil-Winde.
Eine Stimme aus der Zentrale hilft dir dabei.

Eine verletzte Person liegt irgendwo im Gebirge – wie findet die Crew eines Rettungshubschraubers in wenigen Minuten einen Punkt, den sie noch nie gesehen hat?

Darum geht es in diesem Kapitel: Mit dem benennst du jeden Punkt der Erde – ganz genau. und zeigen dir das Gebirge auf einer flachen Karte. Aus , Entfernung und Tempo rechnest du die Flugzeit aus. Und du erfährst, wie die in Österreich, Deutschland und der Schweiz aufgebaut ist.
AT · GW 1.3 & 1.6 AT · GW 1.11 & 1.12 AT · GW 3.15 & 3.16 DE · BY: Alpen & Kartenarbeit (Jg. 5/7) DE · NRW: Raumorientierung CH · RZG 2.1 & 1.3
🎮 So arbeitest du mit der Simulation: Du übernimmst einen Rettungshubschrauber. Jeden Einsatz arbeitest du in sechs Phasen ab: Einsatz wählen · Route planen · Start · Kartenflug · Landung mit Seilwinde · Auswertung. 25 Einsätze in allen neun Bundesländern warten auf dich – vom Skiunfall in Damüls bis zur Seerettung am Bodensee. Die Leitstelle spricht mit dir. Sie nennt dir Richtung und Entfernung zum nächsten Wegpunkt. Pilotin Marlene erklärt dir am Anfang alles Wichtige. Du startest an echten Stützpunkten – zum Beispiel C8 Nenzing oder C9 Wien-Baumgasse.
💡 Verlaufsvorschlag (Doppelstunde): (1) Einstieg 10′ – Opener-Foto + Leitfrage; Vorwissen aktivieren („Wer hat schon einmal einen Rettungshubschrauber gesehen? Woher weiß die Crew, wohin sie fliegen muss?"). (2) Erarbeitung I 15′ – Seiten 1–2 gemeinsam (Gradnetz, Höhenlinien; Globus und Wanderkarte als Realbegegnung auflegen). (3) Simulation 30′ – ein kompletter Einsatz (Empfehlung: „Verkehrsunfall A14" oder „Seerettung Bregenz" als leichter Einstieg, Landung auf Level 1). (4) Auswertung 15′ – Lehrer-Cockpit → Live bzw. Ergebnisse: Wer hat die Route ohne Fehlklicks geplant? Wie viele Sterne bei Start und Landung? (5) Vertiefung 20′ – Seiten 3–5 (Flugzeit-Rechnung, Flugrettung im D-A-CH-Vergleich, Notruf), zweiter Einsatz als Hausübung oder Folgestunde.
Hinweis: Für den inklusiven Unterricht gibt es dieses Kapitel zusätzlich in Leichter Sprache.
SEITE 1 · GRADNETZ

1 · So findet man jeden Ort der Erde

Die Erde ist eine Kugel.
Auf einer Kugel gibt es keine Ecken und keine Ränder.
Darum haben sich die Menschen ein Gitter-Netz ausgedacht.
Es heißt: Gradnetz.

Die Linien von links nach rechts heißen Breiten-Kreise.
Die Linien von oben nach unten heißen Längen-Kreise.
Jeder Ort hat zwei Zahlen: Breite und Länge.
Diese zwei Zahlen heißen: Koordinaten.
Wien hat zum Beispiel die Koordinaten 48 Grad Nord und 16 Grad Ost.

Dein Handy kennt seine Koordinaten immer.
Das geht mit Satelliten im Welt-Raum.
Das System heißt GPS.

Merke:
Koordinaten sind wie eine Adresse.
Aber sie funktionieren überall auf der Erde.
Auch mitten in den Bergen.
🎮 In der Simulation:
Die Zentrale sagt dir den Einsatz-Ort an.
Du suchst den Ort auf der Karte.
Du tippst die Weg-Punkte in der richtigen Reihenfolge an.
✏️ Aufgabe:
  1. Schau auf einen Globus oder eine Karte.
    Liegt Österreich nördlich oder südlich vom Äquator?

1 · Das Gradnetz: Eine Adresse für jeden Punkt der Erde

Auf einer Kugel gibt es kein „oben links". Damit man trotzdem jeden Punkt eindeutig benennen kann, legt man ein gedachtes Netz über die Erde: das . Die verlaufen parallel zum Äquator und zählen von 0° am Äquator bis 90° an den Polen. Die verlaufen von Pol zu Pol und zählen vom Nullmeridian in Greenwich (London) bis 180° nach Osten und Westen.

Zwei Zahlen ergeben so eine weltweit eindeutige : Wien liegt bei etwa 48° Nord und 16° Ost, Bregenz bei etwa 47° 30′ Nord und 9° 45′ Ost. Für genauere Angaben teilt man jeden Grad in 60 Minuten (′) und jede Minute in 60 Sekunden (″) – so lässt sich ein Punkt bis auf wenige Meter genau beschreiben. Genau so gibt eine Leitstelle der Flugrettung eine durch.

Dein Smartphone kennt seine Position immer. -Satelliten senden Zeit-Signale aus dem Weltall. Aus diesen Signalen berechnet dein Handy seine Koordinaten. Das steckt hinter jeder Karten-App und hinter jeder Ortung im Notfall.

Merke: Breitengrad zuerst (Nord/Süd), Längengrad danach (Ost/West). Eselsbrücke: Die Breite liegt wie eine Leiter-Sprosse quer, die Länge hängt wie eine Leiter-Stange längs von Pol zu Pol.
📊 Echte Zahlen: Der Äquator ist rund 40.075 km lang. Geteilt durch 360 Grad ergibt das: 40.075 km : 360 ≈ 111 km – ein Grad Breite entspricht also etwa 111 Kilometern.
🎮 In der Simulation: Die Leitstelle nennt dir den Einsatzort – du musst ihn auf der Karte finden. In der Routenplanung tippst du die Wegpunkte in der richtigen Reihenfolge an; die 📍 Übersichtskarte zeigt dir alle Stützpunkte und Einsatzorte im Land. Wer wild herumklickt, verliert: Nach zu vielen Fehlklicks übernimmt die Chefpilotin die Planung.
💡 Didaktischer Hinweis: Häufigster Stolperstein: Länge und Breite werden verwechselt oder die Schreibweise 48° N / 16° O wird als „Rechenzeichen" gelesen. Lassen Sie die eigenen Schulkoordinaten mit einer Karten-App ablesen und in Grad/Minuten notieren – das verankert die Reihenfolge (Breite vor Länge). In der Simulation bewusst ohne Übersichtskarte planen lassen, erst bei Bedarf freigeben.
SEITE 2 · HÖHENLINIEN & HÖHENSTUFEN

2 · Berge auf der Karte lesen

Eine Karte ist flach.
Aber die Berge sind hoch.
Wie zeigt man Berge auf einer flachen Karte?
Mit Höhen-Linien.

Eine Höhen-Linie verbindet alle Punkte mit der gleichen Höhe.
Liegen die Linien eng zusammen: Der Hang ist steil.
Liegen die Linien weit auseinander: Der Hang ist flach.

Oben am Berg ist es kälter als im Tal.
Pro 100 Meter wird es ungefähr ein halbes Grad kälter.
Darum wachsen oben keine Bäume mehr.
Und ganz oben liegt Schnee und Eis.

Merke:
Enge Höhen-Linien = steil.
Weite Höhen-Linien = flach.
Je höher der Berg, desto kälter wird es.
🎮 In der Simulation:
Auf der Karte siehst du Berge und Täler.
Manche Einsatz-Orte liegen hoch oben.
Zum Beispiel eine Fels-Wand oder ein Ski-Gebiet.
Bei der Landung musst du auf die Berge achten.
✏️ Aufgabe:
  1. Es hat 20 Grad im Tal.
    Du fährst 1.000 Meter mit der Seil-Bahn nach oben.
    Ungefähr wie warm ist es oben?

2 · Höhenlinien und Höhenstufen: Das Gebirge auf der Karte

Eine zeigt das Gelände – also Berge, Täler und Höhen. Aber wie bringt man einen 2.000-Meter-Berg auf ein flaches Blatt? Mit . Jede Linie verbindet alle Punkte gleicher Höhe. Liegen die Linien eng beieinander, ist der Hang steil. Liegen sie weit auseinander, ist er flach. Eine Hubschrauber-Crew erkennt so in Sekunden, wo ein Grat, eine Schlucht oder ein flacher Landeplatz liegt.

Mit der Höhe ändert sich auch das Klima. Pro 100 Höhenmeter sinkt die Temperatur im Schnitt um rund 0,65 °C. Ein Berg trägt darum mehrere übereinander. Diese Stockwerke heißen . Ganz unten liegen Siedlungen und Obstwiesen. Darüber wächst der Bergwald. Ab der (je nach Lage etwa 1.700 – 2.200 m) gibt es nur noch Almen und Matten. Ganz oben ist nur Fels, Schnee und Eis. Diese oberste Stufe nennt man nivale Stufe – das Wort kommt vom lateinischen Namen für Schnee.

Für die Flugrettung sind Höhenstufen Alltag. Ein Einsatz an der Waldgrenze bedeutet andere Temperaturen, anderes Wetter und dünnere Luft als im Tal. Oft gibt es dort keinen Platz zum Landen. Dann bergen die Retter:innen die verletzte Person mit der Seilwinde.

📊 Echte Zahlen: Temperaturabnahme im Gebirge: ø 0,65 °C je 100 m [8] · Waldgrenze in den Alpen: je nach Region und Hanglage ca. 1.700 – 2.200 m [9]
🎮 In der Simulation: Viele Einsatzorte liegen hoch: die Felswand im Rätikon, Skigebiete in Damüls oder Sölden, das Kaisergebirge bei Kufstein. Beim Landen zählt das Gelände – je nach Schwierigkeitsgrad (Einsteiger · Fortgeschritten · Profi) werden die Berge rauer, der Wind böiger, und Seilbahnkabel kreuzen den Anflug. Die verletzte Person wird wie im echten Einsatz mit der Seilwinde geborgen, wenn keine Landung möglich ist.
✏️ Aufgaben:
  1. AIm Tal auf 500 m hat es 18 °C. Berechne die Temperatur auf dem Gipfel in 2.500 m Höhe. (Rechenweg: 2.000 m : 100 m = 20; 20 · 0,65 °C = 13 °C Abkühlung.)
  2. BSkizziere einen Berg im Querschnitt und beschrifte die Höhenstufen von der Tallage bis zur nivalen Stufe. Trage die Waldgrenze ein.
  3. CWarum verläuft die Waldgrenze nicht überall auf derselben Höhe? Nenne mindestens zwei Einflussfaktoren (z. B. Sonnen- oder Schattenhang, Nord- oder Südalpen).
💡 Erwartungshorizont: A: 18 °C − 13 °C = 5 °C. B: Tallage/collin → montan (Bergwald) → subalpin (lichter Wald bis Waldgrenze) → alpin (Matten/Almen) → nival (Fels/Schnee). C: Exposition (Südhänge wärmer → höhere Waldgrenze), Kontinentalität (Zentralalpen höher als Randalpen), lokale Faktoren wie Lawinenstriche und Beweidung. Stolperstein: Schüler:innen halten Höhenlinien oft für Wege oder Grenzen – am besten mit einem Sandkasten- oder Kartoffelmodell (Scheiben schneiden, Umrisse stapeln) klären.
SEITE 3 · DISTANZ, RICHTUNG, ZEIT

3 · Wie weit? Wohin? Wie lange?

Der Hubschrauber fliegt in gerader Linie zum Ziel.
Das nennt man: Luft-Linie.
Die Luft-Linie ist der kürzeste Weg.

Die Richtung sagt man mit den Himmels-Richtungen:
Norden, Osten, Süden, Westen.
Dazwischen gibt es zum Beispiel Nord-Osten.
Ein Kompass zeigt die Himmels-Richtungen an.

Ein Rettungs-Hubschrauber fliegt ungefähr 220 Kilometer in einer Stunde.
Das sind fast 4 Kilometer in einer Minute.
Für 18 Kilometer braucht er nur 5 Minuten.
Ein Auto braucht für den gleichen Weg viel länger.

📊 Echte Zahlen:
Ein Notarzt-Hubschrauber fliegt ungefähr 220 km in einer Stunde.
Das ist doppelt so schnell wie ein Auto auf der Autobahn.
🎮 In der Simulation:
Die Zentrale sagt zum Beispiel:
„Richtung Nord-Osten, ungefähr 12 Kilometer."
Du suchst den Weg-Punkt in dieser Richtung.
✏️ Aufgabe:
  1. Der Hubschrauber fliegt 4 Kilometer in einer Minute.
    Der Einsatz-Ort ist 20 Kilometer weit weg.
    Wie viele Minuten braucht der Hubschrauber?

3 · Distanz, Richtung, Zeit: Die Navigations-Rechnung

Drei Fragen beantwortet jede Navigation: Wie weit? In welche Richtung? Wie lange? Die Entfernung liest man über den von der Karte ab: Bei 1 : 50.000 entspricht 1 cm auf der Karte 50.000 cm in der Natur – also 500 m. Ein Hubschrauber fliegt dabei , den direkten Weg – Straßen, Pässe und Serpentinen zählen für ihn nicht. Genau das macht ihn im Gebirge unschlagbar schnell.

Die Richtung beschreibt man mit den Himmelsrichtungen. Sie stehen auf der – dem Stern aus Richtungen: Nord, Ost, Süd, West und die Zwischenrichtungen (NO, SO, SW, NW). Profis unterscheiden noch feiner, zum Beispiel Nord-Nordost. Ein zeigt dir immer, wo Norden ist. In der Luftfahrt gibt man den Kurs zusätzlich als Winkel von 0° bis 360° an.

Die Zeit liefert die Grundformel der Bewegung: Zeit = Weg : Geschwindigkeit. Ein Notarzthubschrauber vom Typ H135 fliegt rund 220 km/h, also etwa 220 : 60 ≈ 3,7 km pro Minute. Vom Stützpunkt Nenzing zum Skigebiet Damüls sind es rund 18 km Luftlinie: 18 : 3,7 ≈ 5 Minuten Flugzeit. Ein Auto braucht für dieselbe Strecke über kurvige Bergstraßen fast eine Stunde.

📊 Echte Zahlen: Reisegeschwindigkeit Airbus H135 (Standard-Notarzthubschrauber in Österreich): ca. 220 km/h [10] · Rechenbeispiel: 18 km : 3,7 km/min ≈ 5 min Flugzeit
Merke: Maßstab 1 : 50.000 heißt: 1 cm auf der Karte = 500 m in der Natur. Je größer die Zahl hinter dem Doppelpunkt, desto kleiner der Maßstab – und desto mehr Fläche zeigt die Karte.
🎮 In der Simulation: Genau diese Angaben bekommst du von der Leitstelle: „Von Nenzing Richtung Nord-Osten, ca. 12 km." Die Simulation arbeitet mit einer 16-teiligen Windrose – jede Richtung deckt einen Sektor von 22,5° ab. Im Kartenflug sagt der Pilot den Kurs zu jedem Wegpunkt an. Wer die Himmelsrichtungen auf der Karte sicher lesen kann, plant die Route ohne einen einzigen Fehlklick.
✏️ Aufgaben:
  1. AAuf einer Karte im Maßstab 1 : 50.000 misst du 7 cm bis zum Einsatzort. Wie viele Kilometer sind das in der Natur? (7 · 500 m = …)
  2. BDer Hubschrauber fliegt 220 km/h. Berechne die Flugzeit für 33 km Luftlinie. (33 : 3,7 ≈ … Minuten – runde sinnvoll.)
  3. CEin Krankenwagen fährt dieselben 33 km über eine Passstraße mit durchschnittlich 55 km/h. Berechne seine Fahrzeit und vergleiche. Warum ist der Zeitvorsprung des Hubschraubers bei einem Herzinfarkt entscheidend?
💡 Erwartungshorizont: A: 7 · 500 m = 3.500 m = 3,5 km. B: 33 : 3,7 ≈ 9 Minuten (alternativ 33 : 220 = 0,15 h; 0,15 · 60 = 9 min). C: 33 : 55 = 0,6 h = 36 Minuten – der Heli ist rund 4-mal schneller; bei Herzinfarkt und Schlaganfall zählt die „goldene Stunde" der Notfallmedizin. Stolperstein: Einheiten! Viele rechnen km : km/h und interpretieren das Ergebnis als Minuten statt Stunden. Die Umrechnung km/h → km/min (durch 60 teilen) vorher gemeinsam sichern.
SEITE 4 · FLUGRETTUNG IM D-A-CH-RAUM

4 · Die Flug-Rettung bei uns

In Österreich heißen die Rettungs-Hubschrauber Christophorus.
Es gibt 17 Stütz-Punkte im ganzen Land.
Im Winter kommen 4 Stütz-Punkte in den Ski-Gebieten dazu.
Im Jahr 2025 gab es 21.650 Einsätze.
Das sind ungefähr 59 Einsätze an jedem Tag.

In der Schweiz heißt die Flug-Rettung Rega.
Sie hat 14 Basen.
Die Rega erreicht jeden Ort in der Schweiz in 15 Minuten.

In Deutschland fliegen der ADAC und die DRF.
Der ADAC hat ungefähr 49.000 Einsätze im Jahr.
Deutschland ist groß. Darum gibt es dort viel mehr Einsätze.

📊 Echte Zahlen:
Österreich: 21.650 Einsätze im Jahr 2025.
Schweiz: ungefähr 20.000 Einsätze im Jahr 2025.
Deutschland: ungefähr 85.000 Einsätze im Jahr 2025.
🎮 In der Simulation:
Du startest an echten Stütz-Punkten.
Zum Beispiel: C8 in Nenzing oder C9 in Wien-Baumgasse.
Jeder Hubschrauber hat ein echtes Kenn-Zeichen.
Es beginnt mit OE. Das steht für Österreich.
✏️ Aufgabe:
  1. Schau auf die Übersichts-Karte in der Simulation.
    Welcher Stütz-Punkt ist am nächsten bei deinem Wohn-Ort?

4 · Die Flugrettung in Österreich, Deutschland und der Schweiz

1983 hob in Innsbruck der erste Christophorus-Hubschrauber ab. Seither ist in Österreich ein dichtes Netz entstanden – es deckt heute das ganze Land ab. Die ÖAMTC-Flugrettung betreibt 17 ganzjährige Christophorus-Stützpunkte mit 27 Hubschraubern. Sie reichen von C1 Innsbruck über C8 Nenzing im Walgau bis C9 in Wien-Baumgasse, wo der Heli vom Dach startet. Im Winter kommen vier weitere Stützpunkte in den Skigebieten dazu. 2025 flogen die Crews 21.650 Einsätze – rund 59 pro Tag. Den Heli ruft die Leitstelle immer dann, wenn es schnell gehen muss: bei schweren Unfällen, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Oder wenn der Rettungswagen den Ort schlecht erreicht.

Die Nachbarländer machen es genauso – nur in anderer Größe. Die Schweizer Rega hat 14 Helikopter-Basen. Sie erreicht damit jeden Punkt der Schweiz in 15 Flugminuten. Bezahlt wird sie von 3,7 Millionen Gönner:innen – das sind Menschen, die freiwillig Geld spenden. In Deutschland teilen sich vor allem ADAC Luftrettung (rund 60 Hubschrauber an 37 Stationen, ca. 49.000 Einsätze 2025) und DRF Luftrettung (32 Stationen, rund 35.900 Einsätze) die Arbeit. Jeder Hubschrauber trägt ein wie ein Auto: OE-… steht für Österreich, HB-… für die Schweiz, D-… für Deutschland.

📊 Flugrettung im D-A-CH-Vergleich (2025): AT: 21.650 Einsätze, 17 Stützpunkte + 4 Winterbasen [1][2] · CH (Rega): 20.463 Einsätze, 14 Basen, 3,7 Mio. Gönner:innen [3] · DE: ADAC ca. 49.000 Einsätze, 37 Stationen [4] + DRF 35.850 Einsätze, 32 Stationen [5]
Merke: Flugrettung ist ein Standort-Netz: Die Stützpunkte sind so verteilt, dass jeder Punkt des Landes in wenigen Flugminuten erreichbar ist – ein geografisches Planungsproblem wie bei Feuerwehren oder Krankenhäusern.
🎮 In der Simulation: Alle Stützpunkte sind echt: Du startest je nach Einsatz von C1 Innsbruck, C3 Wiener Neustadt, C6 Salzburg, C8 Nenzing, C9 Wien-Baumgasse, C10 Linz, C11 Klagenfurt und weiteren Basen. Beim Missionsstart zieht die Simulation ein echtes Kennzeichen aus dem Pool (z. B. OE-XE…) – so wie auch die realen Crews ihre Maschinen je nach Wartung tauschen. Die 📍 Übersichtskarte zeigt dir das ganze Stützpunkt-Netz Österreichs.
💡 Didaktischer Hinweis: Der D-A-CH-Vergleich eignet sich für eine Kartenarbeit: Stützpunkte auf einer Österreich-Karte eintragen und Einzugskreise (ca. 60 km ≈ 15 Flugminuten) zirkeln lassen – wo überlappen sie, wo bleiben Lücken? Diskussionsimpuls: „Warum liegt C8 in Nenzing und nicht in Bregenz?" (Lage im Landeszentrum, schneller Zugriff auf Montafon, Walgau, Arlberg und Rheintal.) Stolperstein: Die absoluten Zahlen verleiten zum Fehlschluss „Deutschland rettet mehr" – auf die Einwohnerzahl bezogen liegen die Alpenländer weit vorn (Relation statt absolute Zahl!).
SEITE 5 · ALPINE GEFAHREN & NOTRUF

5 · Gefahren am Berg – und der Notruf

Die Berge sind schön.
Aber die Berge können auch gefährlich sein.
Es gibt Lawinen im Winter.
Das Wetter kann schnell umschlagen.
Nebel und Gewitter sind auch für den Hubschrauber gefährlich.

So rufst du in Österreich am Berg um Hilfe:
Wähle die Nummer 140. Das ist der Alpin-Notruf.
Die Nummer 112 geht in ganz Europa.
Sag genau: Wo bist du? Was ist passiert? Wie viele Verletzte?
Dein Handy kann deinen Stand-Ort anzeigen.
Das hilft der Rettung sehr.

Merke:
Alpin-Notruf in Österreich: 140.
Notruf in ganz Europa: 112.
Sage immer zuerst: Wo bist du?
🎮 In der Simulation:
Im Flug gibt es Gefahren: Vögel, Gewitter, andere Flug-Zeuge.
Der Pilot warnt dich über Funk.
Weiche den Gefahren aus!
✏️ Aufgabe:
  1. Du siehst einen Unfall beim Wandern.
    Welche Nummer rufst du an?
    Was sagst du zuerst?

5 · Alpine Gefahren und Verantwortung: Wenn jede Minute zählt

Das Gebirge verzeiht wenig Fehler. fordern in Österreich im 10-Jahres-Schnitt 16 Todesopfer pro Winter. Die Winter schwanken aber stark: 2024/25 waren es acht, im Winter darauf dreißig. Wie groß die Gefahr gerade ist, zeigt die fünfstufige . Die Lawinen-Warndienste geben sie im Winter jeden Tag neu heraus. Schon Stufe 3 („erheblich") ist ernst zu nehmen – hier passieren die meisten tödlichen Unfälle. Dazu kommen plötzliche Wetterumstürze. Ein sonniger Bergtag kann innerhalb einer Stunde in Nebel, Sturm oder Gewitter kippen. Das ist gefährlich für Wandernde – und auch für den Hubschrauber. Bei , dichtem Nebel oder (ein Vogel prallt gegen den Heli) stößt auch die Flugrettung an ihre Grenzen.

Deshalb gilt am Berg: Vorbeugen ist die halbe Rettung. Dazu gehören eine gute Tourenplanung, der Wetterbericht und die passende Ausrüstung. Und man muss wissen, wie man einen absetzt – also richtig um Hilfe ruft. In Österreich erreichst du mit dem Alpinnotruf 140 direkt die Bergrettung. Der Euronotruf 112 funktioniert in ganz Europa. Er wählt sich notfalls in jedes Handynetz ein, das er findet. In der Schweiz rufst du die Rega unter 1414.

Und dann rettet Geografie Leben: Die Leitstelle fragt zuerst „Wo genau sind Sie?" Wer seine Position nennen kann – Ortsname, Wegpunkt, Hüttenname oder die Koordinaten aus der Karten-App –, verkürzt die Suche von Stunden auf Minuten. Genau die Kompetenzen aus diesem Kapitel machen im Ernstfall den Unterschied.

📊 Echte Zahlen: Lawinentote Österreich: ø 16 pro Winter (10-Jahres-Mittel), 2024/25 nur 8, 2025/26 dagegen 30 [7] · Alpinnotruf AT: 140 · Euronotruf: 112 [6] · Rega-Notruf CH: 1414 [3]
Merke – der Notruf in 4 W-Fragen: Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Verletzte? Wer ruft an? – Und: nie auflegen, bevor die Leitstelle es sagt.
🎮 In der Simulation: Im Kartenflug begegnen dir die echten Gefahren der Flugrettung: Vogelschwärme, Gewitterzellen und anderer – der Pilot warnt dich über Funk, ausweichen musst du selbst. Auf der Planungskarte erscheinen Schlechtwettergebiete als graue Zonen. Und bei der Windenrettung entscheidet ruhige Steuerung: Wind, Böen und Seilbahnkabel machen die Bergung auf den höheren Stufen anspruchsvoll – wie im echten Einsatz.
✏️ Abschluss-Aufgaben:
  1. ANotiere die vier W-Fragen des Notrufs und die drei wichtigsten Notrufnummern für den Alpenraum.
  2. BDu bist auf einer Wanderung und ein Mitglied deiner Gruppe verletzt sich am Knöchel. Beschreibe Schritt für Schritt, wie du deinen Standort möglichst genau durchgibst – mit und ohne Handy-Empfang am Unfallort.
  3. C„Wer gerettet werden muss, soll die Rettung selbst bezahlen." Nimm begründet Stellung: Vergleiche das österreichische System (Versicherungen, Mitgliedschaften) mit dem Gönner-Modell der Schweizer Rega. Welche Anreize setzt jedes Modell?
💡 Differenzierung & Auswertung: Aufgabe B eignet sich als Rollenübung zu zweit (Leitstelle/Anrufer:in) – Erwartung: Ortsname + markanter Punkt + Höhenangabe, alternativ Koordinaten aus der Karten-App; ohne Empfang: Standort merken, zu Punkt mit Empfang auf- oder absteigen, 112-Netzsuche nutzen. Aufgabe C berührt GW 3.16 (öffentliche Güter/Finanzierung): keine „richtige" Lösung erwarten, sondern Argumentqualität bewerten. Stolperstein: Schüler:innen glauben oft, die Rettung sei überall gratis – kurz klären, dass Bergungskosten in Österreich privat versichert sein müssen. Im Lehrer-Cockpit sehen Sie pro Schüler:in Routen-Fehlklicks sowie Start- und Lande-Sterne – auffällig viele Planungsfehler deuten auf Probleme mit Himmelsrichtungen (→ Seite 3 wiederholen).
QUELLEN

Quellen & zum Weiterlesen

Alle Zahlen in diesem Heft sind echt.
Sie kommen von den Rettungs-Organisationen und von Fach-Leuten.
Hier stehen die Quellen:

[1] ÖAMTC-Flugrettung: 21.650 Einsätze im Jahr 2025 – oeamtc.at
[2] ÖAMTC-Flugrettung: Stützpunkte, Flotte und Geschichte (seit 1983) – oeamtc.at
[3] Rega in Kürze: Basen, Einsätze, Gönner:innen, Notruf 1414 – rega.ch
[4] ADAC Luftrettung: Einsatzbilanz 2025 – luftrettung.adac.de
[5] DRF Luftrettung: Einsatzstatistik 2025 (via rth.info) – rth.info
[6] Österreichischer Bergrettungsdienst: Notruf absetzen (140/112) – bergrettung.at
[7] Österreichisches Kuratorium für alpine Sicherheit: Lawinenbilanz – alpinesicherheit.at
[8] Planet Schule: Gebirgsklima und Höhenstufen in den Alpen – planet-schule.de
[9] Deutscher Alpenverein: Höhenstufen der Alpen – alpenverein.de
[10] Technische Daten Airbus/Eurocopter EC135 (H135) – flugzeuginfo.net