GeoGraSim

Interaktive Simulationen für den Geografieunterricht — Projekt-Übersicht und To-Dos
Thomas Schroffenegger & Dominik Mößlang | Stand: April 2026

195
Quellen Simulationsforschung
~180
Quellen GW-Didaktik (in Arbeit)
4
Klassen im Lehrplan
7
Wochenstunden GW gesamt

Phase 1 — Forschungsgrundlagen

LiteraturrechercheIn Arbeit
Simulationsforschung — 195 Quellen, 10 Kapitel, fertig
→ claude-research-sim/standalone.html
GW-Didaktik — 180 Quellen in Recherche, Kapitel folgen
→ claude-research/standalone.html
DACH-Lehrplanvergleich — AT, DE (BY, NRW, BW), CH, UK
→ Konzept/lehrplanvergleich-dach.md
Lehrplan GW aufbereitet — Webversion des österreichischen Lehrplans
→ Konzept/lehrplan-gw.html

Phase 2 — Lehrplan-Mapping: Was kann simuliert werden?

Systematische AnalyseGeplant

Für jede Klasse und jeden Kompetenzbereich prüfen: Eignet sich das Thema für eine Simulation? Wenn ja: welcher Typ, welches Lernziel, wie viel Zeit?

1. Klasse — Leben und Wirtschaften

Klimawandel-Grundlagen

Simulation des Treibhauseffekts: Schüler*innen verändern CO₂-Konzentration und beobachten Temperaturveränderungen. Einfaches, visuelles Modell.

Sachsimulation~20 minLernziel: Grundprinzip Treibhauseffekt verstehen

Naturgefahren und Betroffenheit

Interaktive Karte: Wo treten welche Naturgefahren auf? Schüler*innen vergleichen Betroffenheit verschiedener Regionen (arm vs. reich, Stadt vs. Land).

Explorationstool~25 minLernziel: Ungleiche Betroffenheit verstehen

Bedürfnisse und Wirtschaftskreislauf

Vereinfachtes Wirtschaftskreislauf-Modell: Haushalte, Unternehmen, Geldflüsse. Schüler*innen treffen Konsum- und Sparentscheidungen.

Gamification~30 minLernziel: Grundprinzip Wirtschaftskreislauf

2. Klasse — Nachhaltiges Wirtschaften

Energiemix-Simulator

Schüler*innen stellen einen Energiemix aus erneuerbaren und fossilen Quellen zusammen. Auswirkungen auf CO₂, Kosten und Versorgungssicherheit in Echtzeit.

Sachsimulation~25 minLernziel: Erneuerbare vs. fossile Energie bewerten

Lieferketten-Simulation

Vom Rohstoff zum Produkt: Schüler*innen verfolgen den Weg eines T-Shirts über Kontinente. Arbeitsbedingungen, Transportwege, ökologischer Fußabdruck.

Storytelling + Simulation~30 minLernziel: Arbeitsteilung und Globalisierung verstehen

3. Klasse — Österreich

Standort-Simulator Österreich

Ein Unternehmen soll angesiedelt werden. Schüler*innen wählen Region, analysieren Standortfaktoren (Infrastruktur, Arbeitskräfte, Verkehr) und sehen die Auswirkungen.

Planspiel~45 min (2 UE)Lernziel: Standortfaktoren analysieren

Raumplanung und Nutzungskonflikte

Interaktive Karte einer fiktiven Gemeinde: Wohnen, Gewerbe, Tourismus, Naturschutz. Schüler*innen planen und erleben Nutzungskonflikte.

Planspiel + Gamification~45 min (2 UE)Lernziel: Raumplanung und Interessenkonflikte

4. Klasse — Globalisierte Welt

Belastungsgrenzen der Erde (Planetary Boundaries)

Inspiriert von En-ROADS: Schüler*innen steuern Emissionen, Landnutzung, Ressourcenverbrauch und beobachten die Auswirkungen auf planetare Grenzen.

Sachsimulation~30 minLernziel: Belastungsgrenzen verstehen und Handlungsoptionen bewerten

Bevölkerungsdynamik-Simulation

Agentenbasiertes Modell: Geburtenrate, Sterberate, Migration. Schüler*innen beobachten Bevölkerungspyramiden verschiedener Länder und deren Entwicklung.

Sachsimulation~25 minLernziel: Demografische Strukturen und Prozesse analysieren

Phase 3 — Konzeptentwicklung

Design-EntscheidungenGeplant
Lehrkräfte-Dashboard definieren
Was sehen Lehrkräfte? Einzelergebnisse, Klassenvergleich, Lernfortschritt, Zeitverbrauch. Welche Parameter können sie steuern? Schwierigkeitsgrad, freigegebene Module, Zeitlimits, Abstimmungen.
Inklusions- und Differenzierungskonzept
Nachteilsausgleich: Zeitverlängerung, vereinfachte Sprache, visuelle Hilfen, Text-to-Speech. Differenzierung nach oben: Zusatzaufgaben, komplexere Parameter, Expertenmodus.
Gamification-Framework festlegen
Welche Elemente? Punkte, Badges, Bestenlisten? Oder eher: Fortschrittsbalken, Entdeckungsstatus, kooperative Ziele? → Forschung sagt: Kooperation + Wettbewerb kombiniert am wirksamsten (Sailer & Homner, 2020).
Assessment-Konzept
Formatives Assessment eingebaut (Hypothesen testen, Reflexionsfragen). Summatives Assessment optional (Lehrkraft entscheidet). Daten für Lernstandserhebung.
Zeitbudget pro Simulation klären
GW hat 7 Wochenstunden über 4 Jahre ≈ 280 Jahresstunden. Realistisch: max. 20-30% Simulationszeit ≈ 56-84 Stunden. Pro Simulation: 20-45 min. Bedeutet: ~100-150 Simulationseinsätze über 4 Jahre möglich.

Ideen und Vorschläge

💡 „Simulation der Woche" als Unterrichtseinstieg

Jede Woche eine kurze 10-Minuten-Simulation als Einstieg in ein neues Thema. Weckt Neugier, aktiviert Vorwissen, deckt Fehlkonzepte auf — bevor die Lehrperson das Thema vertieft.

💡 Kooperativer Modus: „Weltklimakonferenz"

Schüler*innen in Kleingruppen vertreten verschiedene Länder/Interessengruppen. Jede Gruppe steuert Parameter in einer gemeinsamen Klimasimulation. Verhandlung + Simulation = Rollenspiel + Evidenz.

💡 „Was wäre wenn?" — Kontrafaktische Simulationen

Was passiert, wenn Österreich aus der EU austritt? Wenn der Golfstrom stoppt? Wenn alle auf E-Autos umsteigen? Kontrafaktische Szenarien fördern systemisches Denken und Urteilskompetenz.

💡 Barrierefreiheit als Feature, nicht als Nachgedanke

Von Anfang an einbauen: Vorlesefunktion für Simulationstexte, Farbblinden-Modus, Tastatursteuerung, vereinfachte Sprachvariante (Sprachniveau A2/B1), verlängerte Zeitlimits als Standard-Option.

💡 Klassenabstimmungen live in der Simulation

Lehrkraft startet eine Abstimmung: „Welche Klimamaßnahme priorisieren wir?" Ergebnis wird direkt in die Simulation eingespeist. Fördert demokratische Entscheidungsfindung.

💡 Export: Ergebnisse als Poster/Infografik

Nach jeder Simulation können Schüler*innen ihre Ergebnisse als druckbare Infografik exportieren. Für Portfolio, Wandzeitung oder Elternabend. Macht Lernergebnisse sichtbar.

Risiken und offene Fragen

⚠️ Zeitbudget realistisch halten

GW hat nur 1-2 Wochenstunden. Jede Simulation muss in eine Unterrichtseinheit (50 min) passen — inkl. Einleitung und Reflexion. Längere Simulationen nur als Ausnahme (Projekttag, fächerübergreifend).

⚠️ Nicht alles muss simuliert werden

Manche Themen (z.B. Berufsorientierung, Konsumentenschutz) sind besser mit anderen Methoden vermittelbar. Simulationen dort einsetzen, wo sie einen echten Mehrwert haben: komplexe Systeme, unsichtbare Prozesse, räumliche Dynamiken.

⚠️ Lehrplan-Kompatibilität laufend prüfen

Der Lehrplan wird aufsteigend eingeführt (ab 2023/24). Sicherstellen, dass unsere Simulationen mit dem jeweils gültigen Lehrplan kompatibel sind — auch mit den deutschen und schweizerischen Curricula, falls wir international skalieren.

⚠️ DSGVO und Datenschutz von Anfang an

Wenn Lehrkräfte Schüler*innen-Ergebnisse sehen: Datenschutzkonzept nötig. Pseudonymisierung? Lokale Speicherung? Einwilligung? Frühzeitig klären.

Nächste Schritte

Sofort (diese Woche)Aktiv
GW-Didaktik-Recherche abschließen — 180 Quellen, 10 Kapitel
DACH-Lehrplanvergleich abschließen — Universelle Themen identifizieren
Lehrplan-Mapping vervollständigen — Alle Kompetenzbereiche systematisch durchgehen
Simulationsideen mit Forschungsevidenz abgleichen — Pro Idee: Was sagt die Simulationsforschung?
Bald (nächste 2 Wochen)Geplant
Pilotthema auswählen — Ein Thema für den ersten Prototyp. Vorschlag: Klimawandel (1./4. Klasse) — größte Forschungsbasis, höchste Relevanz, DACH-übergreifend.
Technische Architektur skizzieren — Web-App (Browser-basiert), Offline-Fähigkeit, Responsive Design, Lehrkräfte-Backend
Wireframes für Lehrkräfte-Dashboard
Wireframes für eine Pilot-Simulation